Musikalisch-literarischer Salon: In der Casa Aulenkamp erlebte das Publikum Heine und Schubert

Romantik traf auf Politsatire

Lesung und Lieder: Pianistin Roswitha Aulenkamp und Bariton Theodor Hoffmeyer boten ein anspruchsvolles Programm. Foto: Rose

Ziegenhain. Zwei weltberühmte Zyklen begegneten sich am Samstagabend im musikalisch-literarischen Salon der Casa Aulenkamp in Ziegenhain. Heinrich Heines „Wintermärchen“ ging ein Rendezvous mit Franz Schuberts „Winterreise“ ein. Interpretiert wurden die beiden Zyklen von der Pianistin Roswitha Aulenkamp und dem Bariton Theodor Hoffmeyer.

Im Mittelpunkt stand Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Darin verarbeitete der Dichter die Eindrücke einer Reise, die er im Oktober 1843 unternommen hatte – von seiner zweiten Heimat Paris aus zu einer Deutschlandreise über Städte wie Aachen, Köln und Hamburg. Das satirische Versepos erschien 1844. „Eine sprachlich funkelnde wie beißend spöttische Politsatire“, erläuterte Roswitha Aulenkamp.

Jedoch musste sich Heine mit großem Bedauern vor der Veröffentlichung seines Werkes „dem fatalen Geschäfte des Umarbeitens“ unterziehen und den Versen zahlreiche Feigenblätter anheften, um dem voraussehbaren allgemeinen Naserümpfen vorzubeugen. Er musste sich gegen den Vorwurf wehren, ein Verächter des Vaterlands und parteiischer Freund der Franzosen zu sein.

Im Kontrast dazu stehen die Verse des Romantikers Wilhelm Müller, die Schubert 1827 vertonte. In der „Winterreise“ stehen Themen wie die Tiefe der Empfindung, Entbehrung, Verzicht und Träume, die den Liebenden bedrängen, im Mittelpunkt. Winterreise ist ein Liederzyklus, bestehend aus 24 Liedern für Singstimme und Klavier, den Schubert im Herbst 1827, ein Jahr vor seinem Tod, vollendete. Müllers zwölf erste Gedichte wurden von ihm unter dem Namen „Wanderlieder“ verfasst. Weitere zehn Werke erschienen 1823 in „Deutsche Blätter für Poesie, Literatur, Kunst und Theater“. Es wurden also zunächst nur 22 der 24 Gedichte veröffentlicht. Erst 1824 erschienen alle Gedichte sowie zwei neu verfasste Werke.

Variationen am Klavier

Beide Zyklen verwoben Aulenkamp und Hoffmeyer zu einer literarisch-musikalischen Reise: Hoffmeyer interpretierte Müllers Verse mit gekonnter Akzentuierung und der für die Romantik nötigen Leichtigkeit. Roswitha Aulenkamp wagte eine außergewöhnliche Variation des bekanntesten Gedichtes, dem „Lindenbaum“. Sie mischte das Thema mit Klavierklassikern und zeitgenössischer Musik. Beeindruckend war auch die sonore Baritonstimme, mit der Hoffmeyer das Publikum in seinen Bann zog. Heines Werk beanspruchte die Konzentration des Lesers ebenso wie die der Zuhörer. In einer Pause stärkten sich Gäste und Gastgeber in munterer Plauderrunde bei Häppchen und Sekt. (zsr)

Quelle: HNA

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