Bildhauerin Martina Schoder zeigt im Museum in Holzburg keramische Objekte

Rosetten ganz modern

Beeindruckende Tonarbeiten: Die Bildhauerin Martina Schoder stellt bis Ende Juli ihre Objekte in Holzburg aus. Foto: Rose

Holzburg. Eine der ältesten ornamentalen Formen ist die Rose: Daraus leiteten sich kunstvolle Rosetten ab. Zu finden sind die schmückenden Formen nicht nur in der Volkskunst, sie lassen sich genauso kunstvoll modern interpretieren. Das zeigt Keramikerin Martina Schoder in ihren beeindruckenden Tonarbeiten. Die Objekte sind bis Ende Juli im Schwälmer Dorfmuseum Holzburg zu bewundern, am Sonntag war Ausstellungseröffnung.

Museumsleiter Dr. Anton Merk stellte die keramischen Objekte zusammen mit der Künstlerin aus Südhessen vor. Das Hauptmerkmal der Rosette sei ein Punkt, ein Element, in der Mitte, von dem Strahlen als umfangender Kreis ausgingen. Die Werke der Bildhauerin seien allesamt reliefartige Wandobjekte, die bewusst eine Schattenwirkung erzeugten: „Durch den Lichteinfall ergeben sich praktisch doppelte Objekte“, erläuterte Merk.

In Holzburg gehen die Objekte Korrespondenzen mit dem volkskundlichen Bestand ein. Neue Sichtweisen eröffnet die Hängung, etwa sind die Werke unterhalb alter Wagenräder an rustikal verputzter Wand platziert. Rosetten finden sich nämlich auch überall in der Schwälmer Kunst: auf Mangelbrettern, Trachtenteilen und in der Stickerei. „In der Stickerei wurden die Ornamente nie Rosetten genannt, sie waren ohne Beiwerk und entstanden quasi aus der Arbeit heraus“, sagte der Museumsleiter.

Martina Schoders Werke wirken nicht nur durch ihre Lichtdurchlässigkeit: Spezielle Pigmente geben der Keramik Farbe, erdige Töne, die an Grabungsstätten erinnern, toniges Grün. Fast schwarze Keramik wirkt subtil und geheimnisvoll.

Einige Objekte sind farbig gestaltet und korrespondieren mit den Farben der Tracht. Als künstlerisches Element ist die Rosette in der Schwalm Teil des Brautstuhls oder auch der kunstvoll ausgeschnittenen, bemalten und beschriebenen Liebesbriefe. Martina Schoder: „Im ersten Moment muten die Objekte wie Schüsseln an. Aber wer sie als solche benutzt, dem wird schnell klar, dass sie sich dafür nicht eignen, denn damit verdeckt man das filigrane Muster.“ Der Dialog mit dem Hintergrund sei elementar wichtig.

Seit 2001 beschäftigt sich die Bildhauerin mit Rosetten: „Es passiert ständig etwas. Der Bau eines Objektes ist etwas Meditatives.“ Entdeckt habe sie das Element der Rosette eher zufällig bei einem Auftrag für einen Obst- und Gartenbauverein. Martina Schoder sagt über sich selbst: „Ich arbeite befreit mit Keramik. Meine Arbeiten haben eher etwas mit Landschaften zu tun. Jedes Objekt ist ein Bild, das jedes Mal einen anderen Auftritt hat.“

• Sonntags von 14 bis 17 Uhr oder nach vorheriger Vereinbarung in Holzburg, Abschluss mit Führung ist am Sonntag, 26. Juli, 15 Uhr.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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