Günther Hildebrandt verwandelt Weintrauben aus dem Garten in leckeren Wein

Der Rote vom Eckerich

Ende Oktober 2010: Die Weinpresse im Kleinformat wird aktiviert und drückt den Saft aus den Trauben. alle Fotos: Zerhau

Fritzlar. In vino veritas, sagt der Lateiner, im Wein liegt Wahrheit – aber bis zum ersten Schluck auch sehr viel Arbeit. Das weiß Günther Hildebrandt aus Fritzlar.

Der Hobbywinzer kann zwar mit den Weinanbaugebieten an Rhein und Mosel auf gar keinen Fall mithalten, und auch der Böddiger Berg ist noch etliche Nummern zu groß. Aber das, was der Vorruheständler aus dem Ertrag seiner drei Weinstöcke im heimischen Garten am Fritzlarer Eckerich herausholt, kann sich sehen und vor allem schmecken lassen.

Aus dem Saft der Trauben hat er knapp 20 Liter leckeren Rotwein in Flaschen abgefüllt und kann jetzt Schluck für Schluck genießen.

Mitte Oktober war Weinlese in Hildebrandts Garten angesagt. Während die Herbstsonne noch einige wärmende Strahlen Richtung Erde schickte, erntete der Hobbywinzer über 27 Kilo rote Trauben. Nachdem die Stängel entfernt waren, wurden die Trauben eingemaischt, zerdrückt.

14 Tage lang kam die gesamte Ernte in eine Wanne und ruhte im Keller. Ende Oktober stand das Pressen auf dem Programm. Mit einer selbst gebauten, kleinen Weinpresse presste Hildebrandt die gemaischten Trauben. Der Saft in kräftigen Bordeauxfarben landete in einem Weinballon und kam, versetzt mit Gärhefe und Hefenährsalz, zum Gären wieder in den dunklen und kühlen Keller.

Mitte Januar stand schließlich der Abfülltermin an. Aus dem reinen Traubensaft waren an die 20 Liter leckerer Rotwein geworden.

Um einen gewissen Oechslegrad zu erreichen, wurde der Saft etwas aufgezuckert, wie Hildebrandt erklärte. Denn das nordhessische Klima sei nicht besonders geeignet zum Weinanbau, am Ende fehlte den Trauben der natürliche Zuckergehalt.

Die Bilanz von Günther Hildebrandt über seinen selbst gekelterten Rotwein Jahrgang 2010 fällt durchaus positiv aus. Der Wein vom Eckerich sei ein vollmundiger, halbtrockener Nordhesse.

Während die frisch abgefüllten Flaschen jetzt im Weinregal eingelagert sind, geht die Vorbereitung für die neue Weinlese bereits bald wieder los. Im zeitigen Frühjahr müssen die Reben zurück geschnitten und später nach dem Austrieb fixiert werden. Mit dem großen Feind der Winzer, der Reblaus, hat Günther Hildebrandt zum Glück nicht zu kämpfen. Höchstens machen sich ab dem Spätsommer Wespen und Hornissen über die Trauben her. Dafür fangen Hornisse und Co aber andere Insekten, die vom Saft angelockt werden.

Während der Hauptreifezeit von August bis September müssen die Weinstöcke teilweise entlaubt werden. Damit gelangt mehr Licht und Wärme an die Trauben, lässt sie größer werden und den Zuckergehalt steigen.

Wenn dann noch das Wetter mitmacht und genügend Sonne auf die Reben scheint, dann kann es auch einen guten Jahrgang 2011 geben. Aber zurzeit lässt sich der Hobbywinzer vom Eckerich mit Freunden und Bekannten erst einmal den Wein vom Jahrgang 2010 schmecken.

Von Peter Zerhau

Quelle: HNA

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