Antikriegstag: Gedenkstunde für die Opfer des Krieges auf dem Waldfriedhof

Rote Nelken für die Toten

Bleibende Mahnung: Auf dem Waldfriedhof in Trutzhain finden sich auf Bronzetafeln bislang die Namen von 349 sowjetischen Kriegsgefangenen. Fotos: Rose

Trutzhain. Drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene starben im Zweiten Weltkrieg in deutscher Kriegsgefangenschaft: Ihnen zu Ehren kamen am Donnerstag, dem Antikriegstag, Menschen in einer Gedenkstunde auf dem Trutzhainer Waldfriedhof zusammen. Auf Einladung der Gedenkstätte war Eberhard Radczuweit aus Berlin in die Schwalm gereist.

Erinnerungen in Briefen

Der Mitbegründer eines Vereins für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion stellte in einem eindringlichen Vortrag die Arbeit seiner Initiative vor. In Vertretung des Bürgermeisters war der erste Stadtrat Detlef Schwierzeck gekommen: „Dieser Tag ist ein fester Bestandteil des Friedenskalenders im Land und soll bleibende Mahnung, aber auch Verpflichtung für Rechtsstaatlichkeit und demokratische Teilhabe sein.“ Hans Gerstmann vom Arbeitskreis Spurensicherung erinnerte an das so genannte Unternehmen Barbarossa – dem Überfall auf die Sowjetunion – mit dem im Juni 1941 der Vernichtungskrieg begann. Bislang konnte der Arbeitskreis 349 Namen von sowjetischen Toten ermitteln.

Eberhard Radczuweit und andere Vereinsmitglieder arbeiten seit sieben Jahren gegen das Vergessen: „Ich habe mein Wissen nicht aus Büchern oder Archiven, sondern aus Briefen von ehemaligen Kriegsgefangenen“, erzählte er. Mit etwa 7000 von ihnen habe der Verein Kontakt aufgenommen. „Aus den ersten 1000 übersetzten Briefe ist ein Buch entstanden“, erläuterte Radczuweit.

Aus einigen las der Berliner vor: „Man bewarf uns mit Steinen, als wir wie Tiere vorgeführt wurden.“ Andere erzählten, dass sie, ausgehungert wie sie waren, Wurzeln gegessen hätten. „Viele erinnern sich an Bäume, die bis zur Armhöhe abgeschält worden waren, weil sich die Menschen aus lauter Verzweiflung von Rinde ernährten“, erklärte der Berliner. „Ehemalige Kriegsgefangene schreiben und bitten uns, den blinden Fleck im Geschichtsbewusstsein zu tilgen“, sagte der Berliner.

Bei vielen sowjetischen Kriegsgefangenen hat der Verein um Verzeihung gebeten – insgesamt 2,6 Millionen Euro wurden in Form kleiner Geldspenden bislang überwiesen. Eberhard Radczuweit lobte das Engagement in Trutzhain: „Ich bin froh, zu sehen, dass sie so viele Namen ausfindig machen konnten und das sich letztlich auch jemand dafür gefunden hat, das alles zu bezahlen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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