Mobbing im Berufsleben: In der Krise wird mehr gemobbt, strafbar ist das meist nicht

Rote Zahlen, rauer Ton

Alle gegen einen: Mobbing im Berufsleben kann zu schweren psychischen Erkrankungen führen. Laut Studien werden drei Prozent der Arbeitnehmer gemobbt. Fotos: dpa/Dewert

Schwalm-Eder. „Mobbing lässt sich nicht diagnostizieren wie Bluthochdruck“, sagt Dr. Manfred Schäfer, Chefarzt der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten. Dort werden Menschen behandelt, die im Büro gemobbt wurden, ihre Krankheiten sind: Depression, Schlafstörung, Erschöpfung, Angst.

Objektive Zahlen wie viele Menschen im Job gemobbt werden, gibt es nicht. Die jüngste bundesweite Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stammt von 2002. Sie ergab, dass sich in einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern durchschnittlich drei gemobbt fühlen.

Die Zahl steigt

Nach den Erfahrungen des Bad Zwestener Arztes steigt die Zahl der Betroffenen an. Gründe könnten Schwierigkeiten in der Wirtschaftssituation der Firmen sein: Werden die Zahlen rot, wird der Ton rauer. „Mobbing kann es in jeder Branche geben“, fügt Schäfer an.

Kirsten Rose, die in der Kreisverwaltung als Ansprechpartnerin dient, sagt: „Ich schlage immer vor, dass sich die Mitarbeiter an einen Tisch setzen.“ Konflikte entstünden auch, wenn Kollegen bereits jahrelang zusammenarbeiten und vieles unausgesprochen bleibe.

Wenn Mobbing-Opfer ihre Kollegen oder Chefs anzeigen, tun sie dies beispielsweise wegen Beleidigung, Verleumdung oder Körperverletzung. „Mobben als Tatbestand ist nicht strafbar“, sagt der Sprecher der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis, Reinhard Giesa. Schmerzensgeld stehe den Betroffenen nur in Einzelfällen zu. Die Beratung durch einen Anwalt sei ratsam.

Dr. Schäfer nennt ein Beispiel: Eine Bankangestellte sollte in eine weit entfernte Filiale versetzt werden, sie weigerte sich allerdings, da sie Unannehmlichkeiten wie eine Wochenendebeziehung, Pendeln und einen zweiten Haushalt fürchtete.

Doch weitaus unangenehmer wurde es für die Frau danach im Büro: Sie wechselte von ihrem Schreibtisch an einen Arbeitsplatz ohne Telefon und bekam keine Aufträge mehr. „Solche eindeutigen Fällen von Mobbing sind die Ausnahme“, sagte Schäfer aus seiner beruflichen Erfahrung.

Die ersten Anlaufstellen für Mobbing-Opfer seien die Personalvertretung und der Betriebsarzt, auch ein Psychologe und die Gewerkschaft könnten helfen.

Wo liegt das Problem?

„Ich schaue zuerst, wo das Problem liegt“, sagt der Facharzt für Psychiatrie. Manchmal verberge sich hinter den Symptomen Mobbing. Die Therapie umfasse auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstwertgefühl. Schäfer empfiehlt prinzipiell niemandem, sich als Mobbing-Opfer darzustellen; besonders wichtig sei das, wenn jemand einen neuen Job sucht.

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Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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