Holzburger brachten Stück auf Museums-Bühne

Grimm-Märchen modern interpretiert: Rotkäppchen unterwegs mit dem Handy

Begeisterte Laienschauspieler: Franziska Gömpel und Jennifer Nickel (Rotkäppchen, von links), Hendrick Fieser (Riese), Jochen Bauer (Wolf) und Rebecca Obermaier (Rabe). Foto: Haaß

Holzburg. Rotkäppchen: Superstar Teil II, so der Name der von Berndt Schulz und seiner Co-Autorin Heidrun Merk geschriebenen Komödie in einem Akt, die am Freitag und Samstag im Holzburger Dorfmuseum zur Aufführung kam. Zu sehen gab es allerdings kein gewöhnliches Rotkäppchen.

 

Ganz in der Tradition des klassischen Bauerntheaters entführten acht Laienschauspieler die Theaterbesucher in die Welt des Märchens.

Hierbei handelte es sich aber nicht um die traditionelle Grimmsche Version von Rotkäppchen, sondern um eine moderne Interpretation mit vielen versteckten und offenen Hinweisen auf den Zeitgeist.

Der Inhalt ist altbekannt und spielte in und um die Holzburg: Die beiden Rotkäppchen Helen und Kathi möchten wie jeden Sonntag ihre Großmütter in Merzhausen besuchen. In ihrem Körbchen haben sie, wie es sich für ein Rotkäppchen gehört, Wein und Kuchen und natürlich ihr Smartphone. Wie jeden Sonntag kommen sie an die Fünfwegegabelung, Den ersten Weg kennen sie, der führt geradewegs nach Merzhausen.

Der zweite Weg führt nach Willingshausen, man nennt ihn den malerisch, künstlerischen Weg.

Der dritte Weg ist der Weg des Glaubens, er ist beschwerlich und führt auf den Schönberg, wo man dem Himmel ganz nahe ist. Der vierte Weg führt nach Schrecksbach, das ist ein Irrweg.

Der fünfte Weg ist der Weg ohne Namen und hier beginnt unsere Geschichte, stimmte Erzähler, Regisseur und Autor Berndt Schulz die knapp 80 Zuschauer auf den Theaterabend im Dorfmuseum ein und sorgte damit schon bei der Einleitung für vergnügtes Schmunzeln im bunt gemischten Publikum.

Die überwiegend jungen Schauspieler waren begeistert bei der Sache und spielten trotz Lampenfieber textsicher ihre Rollen. Souffleuse Heidrun Merk musste nur selten nachhelfen.

Besonders zu gefallen wussten die Rotkäppchen Franziska Gömpel und Jennifer Nickel sowie der von Rebecca Obermaier sehr überzeugend gespielte Rabe Bodo von Rabenstein.

Jochen Bauer glänzte in der Rolle von Friedhelm dem Wolf. Im Kampf gegen seine Wolfstriebe musste er gegen die beiden Rotkäppchen in einem Märchenwettbewerb bestehen. Mit slapstickhaften Einlagen wurde der Bösewicht rasch zum Publikumsliebling und hatte die Lacher auf seiner Seite. Am Ende siegte, ganz in der Tradition der Brüder Grimm, natürlich das Gute. Im Gegensatz zum Klassiker der Grimms musste auch niemand sterben, sondern bei einem Teller Steinpilzsuppe blieb das Ende weitgehend offen und weckte Neugier auf eine Fortsetzung.

Wie im Flug verging die amüsante Vorführung und nach einer knappen Stunde empfingen die Darsteller das Brot des Künstlers: Mit herzlichem und lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Zuschauer für die überzeugende schauspielerische Leistung. „Der Schluss war am besten. Das ganze Stück war sehr spaßig“, so das zufriedene Fazit zweier Holzburgerin auf dem Heimweg.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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