Forstamtsleiter Jan Stetter gibt Tipps

Rotwild im Hormonrausch: Darauf sollten Autofahrer achten

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Gefahr für Autofahrer: Zur Brunftzeit überqueren Hirsche oft unvermittelt die Straßen. Hier auf dem Bild röhrt ein Hirsch.

Melsungen. Forstamtsleiter Jan Stetter erklärt, worauf Autofahrer in der Brunftzeit des Rotwildes achten sollten und was man bei einem Wildunfall tun sollte.

Bis Mitte Oktober sollten Autofahrer jetzt besonders vorsichtig unterwegs sein. Denn das Rotwild hat Paarungszeit. Im Rausch der Hormone rennen die Tiere häufig unvermittelt über die Straßen.

Warum ist die Gefahr, mit Rotwild zu kollidieren, in der Brunftzeit besonders groß?

Ab Ende August trennen sich die Hirsche von den zuvor bestehenden Hirschrudeln und wandern in Ihre bevorzugten Brunft-/Paarungsgebiete, sagt Stetter. „Dabei legen sie teilweise sehr weite Strecken zurück und kreuzen daher auch häufig Verkehrswege.“

In welchen Bereichen muss man besonders vorsichtig fahren?

Jan Stetter

Das Wild folgt oft bestimmten Pfaden, den Wildwechseln, so Stetter. „Wo sie über die Straße führen, ergeben sich besondere Gefahrenstellen, die durch entsprechende Verkehrszeichen („Wildwechsel“) gekennzeichnet werden.“ Aber: Steht kein Warnhinweis an der Straße, könne daraus nicht abgeleitet werden, dass auf der Strecke keine Gefahr droht.

Zu welcher Tageszeit passieren die meisten Wildunfälle?

Wildunfälle können prinzipiell das ganze Jahr und zu jeder Tageszeit passieren, sagt Stetter. Ein besonders hohes Unfallrisiko bestehe aber während der Morgen- und der Abenddämmerung, da die Tiere zu diesen Zeiten besonders aktiv seien und oft ihren Standort wechseln.

Wie verhalte ich mich, wenn ich ein Tier am Straßenrand stehen sehe?

Unbedingt die Geschwindigkeit reduzieren, außerdem abblenden, betont der Forstamtsleiter. „Wild kann Geschwindigkeiten von mehr als 60 km/h nur schlecht einschätzen.“ Deshalb steige das Unfallsrisiko massiv an, wenn Autofahrer zu schnell unterwegs sind.

Was tue ich, wenn ich einen Wildunfall hatte?

Nach einem Wildunfall sollte unverzüglich die Polizei benachrichtigt werden, sagt Stetter. Die Polizei informiert dann den zuständigen Jäger. „Sichern Sie den Unfallort und halten Sie Neugierige fern.“

Soll ich ein verletztes Tier selbst von der Straße ziehen?

"Auf gar keinen Fall", sagt Stetter. Man sollte unbedingt weiten Abstand halten - ganz gleich ob sich das Tier bewegt oder nicht. Die Nähe des Menschen erzeugt beim Wild zusätzlich Panik. Dann könnte es angreifen oder flüchten.

Was mache ich, wenn das verletzte Tier wegläuft?

Wenn ein verletztes Tier in den Wald flüchtet, sollte man auf keinen Fall selbst hinterher gehen, betont Stetter. „Dafür gibt es die Spezialisten.“ Verletztes Wild lege sich in der Regel schnell ins „Wundbett“ nieder. „Verfolgt man es aber, läuft es möglicherweise noch kilometerweit, ist nur noch schwer aufzufinden und verendet qualvoll.“ Wichtig sei jedoch, die Unfallstelle und die Fluchtrichtung des Wildes zu markieren. Dann könne der Jäger und sein Suchhund das verletzte Tier schneller wiederfinden.

Quelle: HNA

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