Tiertherapie gegen den Stresspegel

Rudel im Garten: Lamas und Alpakas machen Familie Ringk aus Berndshausen glücklich

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Kinder und Tiere spielen für die Familie Ringk eine große Rolle: Gerhard und Marion Ringk aus Berndshausen mit einem ihrer Wooly-Lamas und ihren Enkeln Amy (3) und Til Hoffmann (10 Monate).

Berndshausen/Malsfeld. „Was ist das denn? Ein Riesen-Pudel?" Die Familie Ringk aus Berndshausen hat heute noch Spaß an dieser Frage, die da neulich eine Spaziergängerin stellte.

Was die verblüffte Frau als prächtigen Pudel bestaunte, war in Wirklichkeit ein Alpaka. Gerhard Ringk hatte es zwar gerade geschoren - aber selbst im frisch frisierten Zustand braucht es viel Phantasie, um bei seinem Anblick auf den Hund zu kommen. 

Ringk ist schon vor vier Jahren auf die Neuweltkamele gekommen, zu denen auch die Wooly-Lamas gehören. Und die, sagt Ringk, haben ein ganz besonderes Talent: Sie können Menschen glücklich machen. „Hier geht niemand vom Hof, der nicht froh ist“, sagt der 56-Jährige. Und es kommen viele Besucher - die einen gezielt, die anderen zufällig -, weil sie die Tiere bestaunen, die da am Ortsrand stehen.

Doppelt so wuschelig wie ein Lama: Das braune Alpaka Benji ist kuschelweich und unfassbar putzig anzusehen.

Es ist in der Tat schwer, sich dem besonderen Charme der puscheligen Tiere mit ihrem leicht verwirrten Blick zuentziehen, auch wenn sie alles andere als schmusig veranlagt sind. Denn bei Lamas, genau wie bei Alpakas, handelt es sich um ausgeprägte Herden- und Distanztiere.

Sie werden nie so zutraulich wie ein Hund. Dafür aber auch nur selten so aufgeregt wie ein Hund. Lamas und Alpakas haben die Ruhe für sich gepachtet.

Gerade diese Ruhe ist es, die Ringk so an seinen Tieren schätzt. Diese Ruhe übertrage sich auf die Menschen, sagt er. Das stelle er immer wieder fest, wenn er sehe, wie sich diese Ruhe auf seinen geistig behinderten Sohn Pierre (33) übertrage. Wenn Pierre abends von seiner Arbeit in den Baunataler Werkstätten in Malsfeld komme, sei er immer sehr überdreht. „Sobald er sich aber mit den Tieren beschäftigt, fällt der Stress von ihm ab“, berichtet Gerhard Ringk. Das beobachtet er auch immer wieder an den Schulen, die er mit den Lamas und Alpakas besucht: Je länger sich die Kinder mit den Tieren beschäftigten, desto mehr sinke deren Stresspegel.

Lamas geben wenig, weder Milch noch Eier. Aber sie geben etwas ganz anderes, ein viel selteneres Gut: Ruhe. Deshalb hat Gerhard Ringk einen Traum: Er würde gerne die Ausbildung für die tiergestützte Therapie absolvieren. Vielleicht erfüllt er ihn sich noch.

Neue Form der Therapie mit Tieren

Die Lamatherapie ist eine neue Form der tiergestützten Therapie. Sie wird eingesetzt bei Kindern mit Entwicklungsstörungen, bei Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung, bei traumatisierten oder suchtkranken Menschen.

Lamas sollen sich besonders gut eignen, denn sie gelten als äußerst zurückhaltende und gleichzeitig freundlich-neugierige Wesen, ihre Bewegungen sind langsam und gut zu verfolgen, sie lösen also nur entsprechend selten Angst bei den Klienten aus. Grundgedanke der tiergestützten Therapie: Der Mensch erfährt durchs Tier emotionale Nähe und große Anerkennung. Faktoren, die die Heilung fördern sollen.

Quelle: HNA

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