Rudolf Pflugfelder: 1964 holte er Olympia-Gold, heute schreibt er Bücher

Blick in die Vergangenheit: Rudolf Pflugfelder zeigt Fotos, die in seiner Zeit als aktiver Gewichtheber aufgenommen wurden. Noch heute hebt er mehrmals pro Woche Gewichte, um fit zu bleiben. Foto:  Renner

Zierenberg. Ein halbes Jahrhundert liegt sein größter sportlicher Erfolg zurück: 1964 holte Rudolf Pflugfelder als Gewichtheber Gold bei Olympia in Tokio.

Viele junge Sportler hat er später als Trainer ebenfalls zu Medaillen beim wichtigsten Sportturnier der Welt geführt.

Nächsten Monat wird Pflugfelder 88 Jahre alt und noch immer trainiert er regelmäßig.

Vor 70 Jahren hat Pflugfelder zunächst mit Ringen angefangen. Ein Mann, den er damals in Sibirien kennenlernte, hat ihn dazu überredet. „Ich hatte keine Konkurrenz, ich habe alle hingelegt“, erzählt er und lacht. Fortan bewies er sich bei Wettkämpfen - und sogar im Zirkus.

Dort sollte er gegen den stärksten Mann antreten und dabei verlieren. Das wollte Pflugfelder aber nicht, „ich wollte mich nicht kaufen lassen“. Der Mann vom Zirkus war größer, trotzdem gewann sein junger Gegner, das Publikum habe gejubelt. Schließlich gab es keine Gegner mehr, sagt Rudolf Pflugfelder. So kam er zum Gewichtheben. Der Weg zu Weltmeister- und Olympiatiteln war allerdings noch weit.

16 Jahre arbeitete er vor Beginn seiner Sportkarriere in Sibirien unter Tage, um Kohle zu fördern. Freiwillig war er allerdings nicht in den Norden Russlands gegangen. Die Familie wurde verschleppt, nachdem Hitler die Sowjetunion 1941 überfiel. „Mein Vater und einer meiner Brüder wurden erschossen“, sagt er. 14 Jahre alt war er damals und sprach kein Wort russisch. Seine Familie stammt aus Schwaben, zuhause wurde deutsch gesprochen, erzählt er.

In Tomsk im Westen Sibiriens arbeitete er zunächst mit seiner Familie in der Landwirtschaft, später bettelte er sogar, um die Familie über Wasser zu halten. 1944 begann er dann, unter Tage zu schuften. „Dadurch wurde ich krank“, sagt der Zierenberger. Eine Ärztin riet ihm schließlich, Sport zu machen. Mit dem Ringen ging es los, dann wechselte er zum Gewichtheben. Auch dort stellte sich sein Talent schnell heraus. Dabei lernte er ohne Trainer, wie er betont. „Ich hatte nur ein Buch.“ Dennoch gewann er auch in dieser Disziplin Wettkämpfe.

Bücher geschrieben

Er hatte schon drei Mal den Großen Preis der UdSSR geholt, als er sich zum ersten Mal den Weltmeister-Titel sicherte. 1959 in Warschau war das. Zwei Jahre später wurde er wieder Weltmeister, diesmal in Wien. „Ich habe vier Weltrekorde aufgestellt“, sagt er stolz. Bei den Olympischen Spielen 1960 verletzte er sich, vier Jahre später holte er in Tokio die Goldmedaille. 475 Kilo stemmte er dafür in die Höhe. Die Medaille ist heute sicher verstaut in einem Schließfach der Bank, erzählt Pflugfelder.

1981 zog die Familie nach Litauen, zehn Jahre später in die DDR. Von dort holte sie ein Bauer in den Westen. Seit 1991 ist Zierenberg das Zuhause der Familie. Auch hier kann er nicht vom Sport lassen. So trainierte er zehn Jahre lang Schüler im Gewichtheben. Und noch immer, sagt seine Frau Valentina, trainiert er selbst drei Mal pro Woche mit Gewichten.

Über seinen Sport, seine Erfolge und den Nachwuchs, den er später trainierte und zu Olympia führte, hat Pflugfelder seither mehrere Bücher geschrieben. Erschienen sind die bislang aber nur auf russisch.

Im Mittelpunkt seines Lebens steht jetzt die Familie. Mit Valentina, mit der er seit 65 Jahren verheiratet ist, hat er drei Töchter. Alle arbeiten als Ärztinnen, sagt Pflugfelder. Darauf ist er sehr stolz. Fünf Enkel und zwei Urenkel hat das Paar bereits. Mit Gewichtheben, sagt er, hat allerdings keins der Kinder etwas am Hut.

Quelle: HNA

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