Nach angekündigtem Fortgang

Rühl-Personalie bei den Stadtwerken: „Rechtlich ist alles sauber gelaufen“

Sieht die Stadtwerke Wolfhagen auf einem guten Weg: Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Schaake Wolfhagen. Foto: Norbert Müller

Wolfhagen. Nach dem angekündigten Fortgang Martin Rühls als Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfhagen brodelt die Gerüchteküche.

Wir sprachen mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Reinhard Schaake über Rühls Nachfolge, Probleme in der Vergangenheit, innovative Impulse und die künftige Ausrichtung der Stadtwerke.

Herr Schaake, bleibt es dabei, dass Herr Rühl seine Funktion als Geschäftsführer der Stadtwerke bis zum Jahresende ausüben wird?

Reinhard Schaake: Das ist noch nicht sicher. Wir haben im Team der Stadtwerke kompetente und motivierte Leute. Der Aufsichtsrat hat sich in dieser Woche dafür ausgesprochen, dass Alexander Rohrrsen und Christina Holzhauer, die beiden Prokuristen, ab 2017 die Geschäfte führen werden - vielleicht klappt das auch schon früher.

Ist es richtig, dass Herr Rühl mit seinem Ausstieg eine Abfindung in Höhe von rund 300.000 Euro erhält?

Schaake: Das ist nicht richtig. Diese Summe stimmt nicht. Es hat eine Abfindung gegeben, die deutlich niedriger ist.

Ist die häufige Abwesenheit Martin Rühls, verbunden mit der 50:50-Stelle bei den Stadtwerken und der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN), ein Grund für die schlechte Stimmung zwischen den Mitarbeitern und ihrem Chef?

Martin Rühl

Schaake: Wir haben die 50:50-Lösung seit einigen Jahren. Und es lief lange gut. Auf Wunsch Herrn Rühls hat der Aufsichtsrat im Jahr 2015 diese Variante noch einmal verlängert. Heute wissen wir, dass sich diese Lösung nicht bewährt hat. Ein externer Berater nannte es „Webfehler im System“. Aufgrund der begrenzten Präsenz des Geschäftsführers blieb die Mitarbeiterführung auf der Strecke. Dem Zeitfaktor ist es auch geschuldet, dass Entscheidungsprozesse nicht so schnell abgewickelt wurden, wie es wünschenswert wäre.

Es wird im Zusammenhang mit dem Fortgang Herrn Rühls von Vorfällen mit strafrechtlicher Relevanz gemunkelt. Können Sie diese Gerüchte entkräften?

Schaake: Es standen Behauptungen im Raum, die der Aufsichtsrat juristisch hat prüfen lassen. Es ist rechtlich aber alles sauber gelaufen.

Herr Rühl ist in der Branche als kluger Kopf und Netzwerker bekannt. Davon haben auch die Stadtwerke profitiert. Soll künftig auf den innovativen Ansatz verzichtet werden?

Schaake: Wir wollen nicht stehen bleiben. Mit der „Energieeffizienten Stadt“ haben wir ein gutes Projekt laufen. Wir wollen aber auch Neues anpacken. Martin Rühl hat hier viel auf den Weg gebracht. Bei unseren Aktivitäten müssen wir Wirtschaftlichkeit und Rentabilität im Auge behalten. Und natürlich wollen wir einen ordentlichen Beitrag für den Haushalt der Stadt generieren.

Wo soll der innovative Input künftig herkommen?

Schaake: Herr Rühl hat bei den Stadtwerken vor 18 Jahren als Ingenieur angefangen und sich dort weiterentwickelt. Menschen wachsen mit ihren Aufgaben. Das erwarten wir auch von Herrn Rohrrsen und Frau Holzhauer. Daneben profitieren wir natürlich weiterhin von der SUN-Mitgliedschaft, bei der Martin Rühl als Geschäftsführer tätig ist.

Wie stellt sich der Aufsichtsrat die weitere Zukunft der Stadtwerke vor?

Schaake: Ich denke, mit dem Thema Windenergie sind wir in Wolfhagen durch. Also, wir werden hier keinen Windpark mehr bauen. Die Frage wird sein, ob wir uns an anderen Projekten beteiligen. Ein Beispiel ist die Gesellschaft Windpark Kreuzstein bei Großalmerode. Dort sind wir mit 140 00 Euro im Boot. Daneben haben wir das Gasgeschäft als neuen Geschäftsbereich erschlossen - derzeit bauen wir das Netz in Ippinghausen aus.

Was sollten die neuen Geschäftsführer aus Sicht des Aufsichtsrates anders machen als ihr Vorgänger?

Schaake: Sie müssen vor Ort dauerhafter präsent sein und Kontinuität in das Tagesgeschäft bringen. Und natürlich müssen wir unsere innovativen Ansätze beibehalten.

Mit Herrn Rühl musste eine halbe Geschäftsführerstelle bezahlt werden. Künftig wird es zwei Geschäftsführer geben. Wird das nicht etwas teuer?

Schaake: Nein. Beide Prokuristen behalten ihre jetzigen Aufgaben und führen darüber hinaus die Geschäfte. Zudem hat sich der Aufsichtsrat für ein Konsolidierungsprogramm ausgesprochen. Danach kann die Wertschöpfung des Unternehmens um einen sechsstelligen Betrag erhöht werden. Wir wollen an einigen Stellen schlanker werden.

Sehen Sie das Image der Stadtwerke durch die aktuelle Diskussion beschädigt?

Schaake: Ich sehe es nicht als Schaden. Es ist eine Veränderung, die Verunsicherung hervorruft. Aber wir sind gut aufgestellt.

Quelle: HNA

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