HNA-Serie Blick übern Gartenzaun: Ruhiger Herbst im Knüll

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Dorfrundgang durch Knüllwald-Nausis.

Nausis. Der Apfelbaum in der Ortsmitte von Nausis hängt voll praller Früchte, die Astern leuchten ockergelb, es riecht nach Herbst: So satt zeigt sich Knüllwalds Nausis beim beim Dorfrundgang für unsere HNA-Serie „Blick übern Gartenzaun“.

Im einst von der Landwirtschaft geprägten Ort gibt es allerdings keinen Bauern mehr und auch die Einwohnerzahl sinkt. Vor zehn Jahren hatte das Dorf noch 142 Einwohner, zurzeit sind es 103.

Diese Tendenz betrachten die Nausiser zwar mit Bedauern, halten aber trotzdem ganz fest zu ihrem Kleinod. „Wer einmal in Nausis wohnt, der liebt es für immer“, sagt Andreas Schwarz. Kein Autolärm, viel Wald ringsherum, die Ruhe ist überwältigend. Das ist die Idylle pur. „Es gibt dreimal Nausis im Landkreis, aber unseres ist das schönste“, sagt Heinz Wettlaufer.

Diese Reize zogen in den 70er-Jahren viele Feriengäste an. „Wir hatten im Sommer mehr Touristen als Einwohner“, erinnert sich Georg Rohde, der auch Ortsvorsteher ist. An der Kirche gibt es noch einige Ferienhäuser, die jetzt allerdings verkauft wurden. Rohde selbst vermietet noch eine Wohnung, in letzter Zeit aber eher an Monteure als an Feriengäste.

Ein leidiges Thema ist der schlechte Internet- und Handyempfang. Andreas Schwarz hatte gerade wieder Schwierigkeiten, weil es soviel regnete. „An manchen Tagen funktioniert das Internet gut, an anderen fast gar nicht“, sagt er. Klaus Zinn nimmt es gelassen. „Mir geht es auch ohne Handy gut. Ich brauche das nicht wirklich“, sagt der 53-Jährige, der im VW-Werk arbeitet und pendelt.

Die meisten arbeiten in Kassel oder Hersfeld. „Zur Autobahn ist es nicht weit, nur zehn Kilometer“, sagt Heinz Wettlaufer. Er sieht das als Standortvorteil. Trotzdem werden es beständig immer weniger Einwohner. Es gibt zurzeit vier Schulkinder im Ort, drei weitere sind unter sechs Jahren. „Die jungen Leute ziehen da hin, wo die Arbeit ist“, sagt die kleine Gruppe, die durch den Ort mitläuft.

Der präsentiert sich weiter in seinem Herbstkleid. Hedwig Hause kommt mit einem Eimer gerade frisch gepflückter Bohnen aus dem Garten. Sie beschwert sich über das Müllauto, das an ihrem Haus vorbei geschrammt ist und deutliche Spuren hinterlassen hat. Das soll der Gemeinde gemeldet werden. Viele der Häuser sind gut in Schuss. Horst Rohde zeigt stolz seinen gepflegten Garten mit den Herbstblühern. Er ist Opa des jüngsten Nausisers, des sieben Monate alten Carl, mit dem Mutter Meike Weber noch auf dem Dorfrundgang vorbeikommt. Die 22-Jährige will ihren Sohn unbedingt in Nausis aufziehen. „Es gibt doch kein schöneres Umfeld für ein Kind“, ist sie überzeugt.

Fotos: Blick über den Gartenzaun in Nausis

Blick über den Gartenzaun im Knüllwälder Ortsteil Nausis

Zeichen für Zukunft gibt es auch weiter unten: Es wird gehämmert, ein Bauernhaus, liebevoll umgestaltet, wird weiter renoviert. Das Feuerwehrhaus glänzt und hat alles, was es braucht. Dort werden auch Feste gefeiert, weil sie die Feuerwehr als einziger der Verein im Ort organisiert. Aber auch die Frauen treffen sich regelmäßig, erzählt Monika Rohde, und alle vier Wochen gibt es im Gemeinschaftshaus ein Dorfgespräch.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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