Sabine Hildebrandt aus Guxhagen initiiert Borderline-Selbsthilfegruppe

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Trotz Krankheit ein Herz und eine Seele: Sabine Hildebrandt und Sven Hellmuth aus Guxhagen müssen mit Borderline leben. Sie als Betroffene, er als Angehöriger.

Melsungen/Guxhagen. Sie schneiden sich die Gliedmaßen blutig, hassen die eigene Person. Sie neigen dazu, sich langsam und qualvoll selbst zu richten. Die Diagnose Borderline wird allzumeist durch eben jene Symptome begleitet und verraten.

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Symptome wie sie auch Sabine Hildebrandt aus Guxhagen nur zu gut kennt. Deshalb will die Borderline-Patientin, die sich nach zehn Jahren Krankheit mittlerweile auf dem Weg der Heilung befindet, nun auch anderen Betroffenen helfen. Und zwar mit einer Selbsthilfegruppe.

Die startet am 4. Mai unter dem Namen „Schwarz und Weiß“ in den Räumen des Melsunger Psychosozialen Zentrums (PSZ) in der Burgstraße. Sabine Hildebrandt erläutert die Motivation: „Ich möchte, dass Borderline-Patienten nicht mehr allein gelassen werden“, sagte die 37-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich will, dass Menschen mit dieser verheerenden Erkrankung sich endlich mit Leidensgenossen austauschen können.“ Immerhin gebe es im gesamten Schwalm-Eder-Kreis keine Selbsthilfegruppe für Borderliner. „Nur in Kassel existiert ein Angebot, gerade einmal pro Monat - und das ist nun wirklich nicht genug.“

Zweimal pro Woche soll in Melsungen die Borderline-Gruppe stattfinden, jeweils mittwochs und samstags von 18 bis 20 Uhr. Das sind zwei Stunden Zeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und einfach mal den eigenen vier Wänden zu entkommen. „Denn viele Borderliner isolieren sich selbst, weil sie denken, dass die Gesellschaft sie längst abgestempelt hat“, sagte Sabine Hildebrandt. Dabei sei es gerade die selbst aufgezwungene Isolation, die jegliche Symptomatik der Borderline-Krankheit nur noch verschlimmere. „Es gibt absolut keinen Grund, sich zuhause einzusperren“, betonte Hildebrandt, „und deshalb möchte ich den Betroffenen ein Forum bieten. Und einen Grund, das Haus zu verlassen.“

Sabine Hildebrandt kann Borderliner verstehen, denn sie ist selber einer. „Und ich denke, dass gerade das die anderen Patienten anspornen kann, sich der Gruppe zu öffnen.“ Die Arbeit von Therapeuten und Ärzten will Hildebrandt indes nicht untergraben. Die Borderline-Selbsthilfegruppe soll das therapeutische Programm der Betroffenen lediglich begleiten. „Wir wollen den Teufelskreis aus Selbsthass und Selbstzweifeln durchbrechen“, sagte Sabine Hildebrandt geradezu kämpferisch. „Das Leben besteht eben doch aus mehr Farbnuancen als nur aus Schwarz und Weiß.“ (zbg)

Quelle: HNA

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