„Schwälmerin mit Napfkuchen“ war Thema beim Bilderschwatz im Pfarrhaus

„Schwälmerin mit Napfkuchen“ war Thema beim Bilderschwatz im Pfarrhaus

Bild mit Napfkuchen: Die Gastgeber des Bilderschwatzes (von links) Paul Dippel, Heike Corell, Anton Merk, Ulli Becker-Dippel und Ingrid Grein. Foto: Knauff

Willingshausen. Eine besondere Alltagsszene stand im Fokus des Bilderschwatzes im Pfarrhaus Willingshausen. Anton Merk, Leiter des Dorfmuseums in Holzburg, analysierte das Bild des Malers Karl Hanusch „Schwälmerin mit Napfkuchen“. Passend zum Bildtitel konnten die Besucher selbstgebackenen Napfkuchen genießen.

Das Gemälde von Karl Hanusch zeigt eine Schwälmerin. Die Frau steht in ihrer traditionellen dunkelgrünen Festtagstracht im Zentrum des Bildes. Sie hält einen Napfkuchen in den Händen, als wolle sie ihn wie einen Schatz präsentieren. Die Frau ist keine Unbekannte. Frau Holler lebte früher in Willingshausen. Einige der Anwesenden kannten sie sogar noch persönlich.

„Ich sehe noch vor mir, wie sie aus dem Fenster des Backhauses geschaut hat“, erzählt Ulli Becker-Dippel von den Landfrauen. „Die Hollermad“, wie sie genannt wurde, war eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die es wie der Referent Dr. Merk ausführte „es im Leben wohl nicht immer einfach gehabt habe.“ Trotzdem wählte Karl Hanusch sie für sein Bild aus.

Die Art der Darstellung ist nicht die einer einfachen Bäuerin, vielmehr steht Frau Holler aufrecht und stolz, wie eine Person mit einem hohen gesellschaftlichen Rang. Der Maler aus Freital in Sachsen hebt die Frau durch die Komposition des Bildes aus dem Alltäglichen heraus. Er macht sie zu etwas Besonderem, ohne sie zu verfälschen.

Der Referent Anton Merk aus Holzburg informierte auch über das Leben von Karl Hanusch. Hanusch fing als Dekorationsmaler an, besuchte im Anschluss an diese Ausbildung die Kunstakademie in Dresden und studierte dort Malerei.

Dort wurde er zum Schüler von Carl Bantzer, der ihn 1905 zum ersten Mal nach Willingshausen mitnahm. Ein prägender Besuch für Hanusch.

Nachdem er 1909 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Plauen wurde, berief man ihn 1922 zum Direktor der Schule in Plauen. Diese akademische Laufbahn fand 1933 wegen seiner politischen Einstellung ihr Ende.

Karl Hanusch ging zusammen mit seiner Frau nach Breslau und wurde 1941 Vorsitzender des Malerstübchens in Willingshausen.

Von Kristian Knauff

Quelle: HNA

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