Silage - durch Betriebsstörung in Biogasanlage gelangt Flüssigkeit in Spolebach

Saft sickert ins Wasser

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Ratlos: Harald Hensel aus Istha steht in seinem Feuchtbiotop nahe der B 450 zwischen Istha und Martinhagen.

Istha/Martinhagen. Silagesickersaft ist über einen Graben in den Spolebach gelangt. Wie das Regierungspräsidium (RP) in Kassel auf Anfrage bestätigt, geht der Vorfall nahe Istha auf eine Betriebsstörung in einer Biogasanlage in Schauenburg-Martinhagen zurück.

Dort sei kürzlich eine Pumpe ausgefallen, heißt es bei der Behörde. Die Biogasanlage sei mit Maissilage bestückt worden, wie der Betreiber der Anlage gegenüber der HNA erklärt. Bei einem Ortstermin Anfang der Woche „wurden die notwendigen Maßnahmen getroffen, um ein solches Schadensereignis künftig zu verhindern“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde. Im Klartext: Die Pumpe läuft wieder.

Für Harald Hensel aus Istha ist die Gewässerverunreinigung noch nicht aus der Welt. Der Nebenerwerbslandwirt besitzt eine Wiese mit zwei Teichen nahe der Bundesstraße 450 am Abzweig in Richtung Schauenburg. Der Silagesaft sei in seine Teiche gelaufen, weil, so seine Vermutung, Maulwürfe oder Mäuse Löcher in die Erde gegraben haben und der Saft dadurch in den Feuchtbiotop gelangt sei. Der 44-Jährige hatte die Verschmutzung seines Biotops am vergangenen Sonntag bemerkt und die Polizei verständigt. „Ist der Biotop jetzt dauerhaft geschädigt?“, fragt sich Hensel.

Sohn in Behandlung

Das Wasser in dem größeren Teich ist sehr trüb. „Vorher war das Wasser klar, konnte man bis auf den Grund schauen“, sagt Hensel. Außerdem riecht es faulig. Fakt ist: Eine Wasserprobe wurde nicht genommen.

Schaumbildung: der Bach nahe der B 450 nach der Sickersaft-Einspülung.

Harald Hensels 15 Jahre alter Sohn Florian kam nach eigenen Angaben mit der Silage in Kontakt. „Mein Sohn hat wenig später rote Arme und eine Art Schüttelfrost bekommen“, erzählt der Vater. Der Junge, der unter Asthma leide und auch auf Roggen reagiere, habe sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Ihm sei ein Antibiotikum verordnet worden, dazu ein antiallergisches Mittel. Auch wenn die Krankheitssymptome nicht zwingend mit der Silage in Verbindung stehen müssen, liegt für Harald Hensel auf der Hand: „Das hier zeigt doch, dass das alles nicht so harmlos ist.“

Verfahren

Gegen den Betreiber der Biogasanlage werde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Der Schauenburger sagt, dass seine Anlage durch drei neue Regenwasser-Versickerbecken nun betriebssicherer geworden sei.

Harald Hensel überlegt derweil, eventuell selbst eine Wasserprobe entnehmen zu lassen.

Von Axel Welch

Quelle: HNA

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