Rückzug des Berufungsantrags: Es bleibt bei neun Monaten Haft auf Bewährung

Er sammelte zu Hause Waffen

Marburg/Schwalmstadt. Aufgrund schlechter Erfolgsaussichten hat ein 58-jähriger Mann aus Schwalmstadt seinen Berufungsantrag vor dem Landgericht Marburg zurückgezogen. Damit ist das Urteil des Amtsgerichts Schwalmstadt rechtskräftig.

Der Mann war im November 2011 wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Dagegen hatte der aus Russland stammende Mann Berufung eingelegt.

Nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin, mit der er einen gemeinsamen dreijährigen Sohn hat, hatte ihn diese angezeigt und des unerlaubten Waffenbesitzes beschuldigt. Bei einer Hausdurchsuchung waren eine halbautomatische Pistole Makarov, eine beträchtliche Anzahl an Munition, ein geladenes Magazin in der Waffe und eine Luftpistole, deren Besitz nach den Bestimmungen des Waffengesetzes einer Erlaubnis bedurfte, gefunden worden.

Die Makarov-Pistole hatte der Mann in einer Aussparung in der Rückwand eines Spiegelschranks versteckt. Den unerlaubten Erwerb und den Besitz der Waffen hatte der 58-Jährige bereits bei der Verhandlung in Schwalmstadt zugegeben.

Die Berufung begründete der Anwalt des Angeklagten mit einer psychiatrisch diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung. Der Mann sei in der Zeit, als er noch in Russland gelebt habe, Opfer eines Überfalls auf offener Straße geworden. Dabei sei er durch sechs Messerstiche schwer verletzt worden sei. Daher habe er sich bereits in Russland zu seinem eigenen Schutz eine Schusswaffe besorgt. „Dies gab ihm ein Gefühl der Sicherheit“, sagte der Verteidiger. Auch nach seiner Übersiedlung nach Deutschland habe er dies als eine Notwendigkeit angesehen. Bei einem Besuch in Russland habe er sich die Pistole besorgt und illegal eingeführt. Er gab an, die Luftpistole auf dem Flohmarkt gekauft zu haben.

Der Staatsanwalt unterstellte dem Mann im Zusammenhang mit der ebenfalls sichergestellten illegalen Luftpistole „eine gewisse Art von Sammelleidenschaft“. Aufgrund schlechter Erfolgsaussichten und einer weiteren Erhöhung der Gerichtskosten durch einen weiteren Verhandlungstag zog er seinen Berufungsantrag zurück.

Von Alfon Wieber

Quelle: HNA

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