Sechs Gefangene stellten sich in der Haftanstalt der Gesellenprüfung zum Koch

Mit Samtsuppe zum Erfolg

Richter des guten Geschmacks: Die Prüfer der IHK Erwin Cecchini, Herwig Leuk, Hermann Thiel und

Ziegenhain. Aus den Töpfen und Pfannen auf den quadratischen Herdplatten dampfte es gewaltig. Männer in schwarzer Kochuniform wuselten wild umher. Beilagen wurden hübsch drapiert. Der Ort: Die Lehrküche der Justizvollzugsanstalt (JVA) Schwalmstadt. Sechs Häftlinge legten dort in dieser Woche die praktische Gesellenprüfung zum Koch ab.

„Hier zählt nicht die Vorgeschichte des Menschen, sondern seine Leistung“, sagte Küchenchef Ingolf Reinhardt. Zwei Jahre hatte er seine sechs Prüflinge auf diesen Moment vorbereitet. Ihnen versucht, vom bloßen Handwerk bis zum Gespür für köstliche Kreativität alles beizubringen, was man als Koch so braucht.

„Hier zählt nicht die Vorgeschichte des Menschen, sondern seine Leistung.“

Küchenchef Ingolf Reinhardt

Die Vorgaben der Prüfungskommission der Industrie- und Handelskammer (IHK) verlangten eine Suppe aus winterlichem Gemüse, als Hauptgang ein Gericht mit Ente und Sättigungsbeilage wie zum Beispiel Klößchen oder Kartoffeln, ein Wintergemüse und ein Strudelgericht als Nachspeise.

Einer der Prüflinge zauberte aus diesen einfach klingenden Regeln folgendes: Als Vorspeise eine Samtsuppe vom Lauch, als Hauptgang eine Variation von Ente mit einem Mangochutney, Apfelrotkohl und Mandelkrusteln. Ein Apfel-Birne-Strudel mit Vanillesoße bildete den süßen Abschluss.

Bedenken, einige der Kochschüler könnten ihr scharfes Werkzeug noch für andere Zwecke als das Tranchieren von Entenbraten verwenden, beruhigte Küchenchef Ingolf Reinhardt, der vor seinem Job in der JVA unter anderem in Schweitzer Hotels am Herd aktiv war. „Die Messer sind abgezählt und werden nach Dienstschluss sicher weggeschlossen.“

Die gute Vorbereitung zahlte sich für die Schüler aus. Fünf von sechs schafften den Test und dürfen sich nun offiziell Kochgeselle nennen. „Eine Prüfungssituation ist immer eine besondere Situation“, erklärt Prüfungsleiter Herman Thiel, der zugleich das Umschulungsprojekt lobt. „Es schafft Perspektiven. Der Bedarf an Köchen ist hoch.“

Den Mut hat der durchgefallene Kandidat noch nicht verloren. „Nächstes Mal versuche ich es erneut“, ließ er die Kommission wissen.

Von Juri Auel

Quelle: HNA

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