Sandy krempelt das Leben um: Als Au-pair in Westfield, New Jersey

Elbenbergerin Jelena Nink erlebte den Huricane Sandy

Stromleitung gekappt: Hurricane Sandy sorgte auch in dem Viertel in Westfield (New Jersey) für Verwüstungen, in dem die Elbenbergerin Jelena Nink derzeit lebt. Foto: Nink

Elbenberg/Westfield. Seit einem dreiviertel Jahr arbeitet die Elbenbergerin Jelena Nink als Au-pair in Westfield/New Jersey. Die Stadt ist ebenfalls betroffen von den Verwüstungen, die Hurricane Sandy vor allem an der Ostküste der USA angerichtet hat.

Im folgenden Beitrag schildert Jelena ihe Eindrücke.

Samstag, 27. Oktober:

Die Nachricht trifft ein und es ist nichts Besonderes für mich: Ein Hurricane kommt auf die Ostküste der USA zugerast.

Sonntag, 28. Oktober:

Da wir Stromausfall erwarten, bereite ich Familie und Freunde in Deutschland darauf vor, dass ich womöglich mehrere Tage nicht erreichbar sein werde. Jersey Shore, Long Island und ein Teil New Yorks werden evakuiert.

Montag, 29. Oktober:

Keiner verlässt mehr das Haus. Schulfrei für die ganze Woche. Noch mal Wäsche waschen, die Badewannen mit Wasser füllen. Die Autos, bis auf einen Fluchtwagen, in die Garage fahren und warten. Keiner ist überracht, dass am Nachmittag alle Lampen ausgehen. In der Nacht soll Sandy eintreffen. Da Fenster bersten könnten, ziehen wir in den Keller, wo alle ruhig schlafen. Dienstag, 30. Oktober:

Der Sturm zog vorüber. Regengüsse blieben aus. Unser Haus ist unbeschädigt. Wir hatten Glück. Am Mittag sehen wir die Misere. Bäume sind umgestürzt. Ein Baum ist in die Stromleitungen gefallen und hat die Kabel zerrissen. Telefonkabel sind kaputt. Kein Handynetz, kein Internet, kein fließend Wasser. Westfield liegt in Finsternis. Wir fahren zur Tante meiner Kinder, dort gibt es einen Generator und so heißes Wasser für eine Dusche. Die Fahrt ist spektakulär. Wie in einem Labyrinth mogeln wir uns von Straße zu Straße, viele sind gesperrt. Bei der Verwandtschaft sehen wir Bilder aus New York. Wir sind geschockt. Das öffentliche Verkehrsnetz in liegt brach, Tunnel stehen unter Wasser. Downtown, wo meine Gastmutter arbeitet, hat es schlimm erwischt. Mittwoch, 31. Oktober:

Wir wissen von einem Laden, der ein paar Lebensmittel verkauft, ich mache mich auf den Weg. Kerzen, Batterien, ausverkauft. Ein einziges Diner in Westfield hat Strom. Die Menschen rennen dem Restaurant die Bude ein. In unserem Haus hält man es vor Kälte kaum aus, selbst wenn man sich in mehrere Lagen Klamotten zwängt. Donnerstag, 1. November:

Ich sitze bei der Tante im Haus, wo es zwar warm ist, aber das „Nichts-tun-können“ macht mich verrückt. Es wird Zeit, dass Normalität einkehrt. Drei Tage sind wir ohne Strom. Die Kriminalität in New York steigt. Menschen haben ihre Wohnungen verloren, wurden beraubt oder sitzen in der Kälte. Flughäfen liegen still, drei Krankenhäuser wurden geräumt. Die Jersey Shore ist verwüstet, Häuser treiben im Wasser. Freitag, 2. November:

Sprit ist knapp. Alle Menschen brauchen Benzin, um die Generatoren zu betreiben. Und nur mit dem Auto kommt man zu den warmen Plätzen mit Strom. Beim Tanken erlebe ich Chaos. Menschenmassen mit Benzinkanistern, Hunderte von Autos warten. Die Polizei rückt an, um das Treiben unter Kontrolle zu halten. Endlich hab ich eine Tankstelle mit Benzin gefunden, stehe zwei Stunden Schlange. Jeder darf nur für 20 Dollar tanken. Samstag, 3. November:

Es wird angekündigt, dass wir diese Woche mit Schneestürmen rechnen müssen. Lasst uns hoffen, dass wir bis dahin wieder Strom haben, ansonsten wird es für viele, viele Menschen eine eiskalte Woche werden.

Von Jelena Nink

Quelle: HNA

Kommentare