Smetana-Philharmoniker Prag begeisterten die Zuhörer in der Stadtkirche

Sanfte und frohe Töne

Spielten eine Vielfalt an klassischer Musik: Die Smetana Philharmoniker Prag in der Homberger Stadtkirche. Foto: Köthe

Homberg. Die Kennzeichen der Autos, die am Freitagabend vor der Homberger Stadtkirche parkten, ließen auf ein interessantes Ereignis hoffen. Viele Besucher des von der Stiftung St.Marien und vom Kultursommer Nordhessen organisierten Konzertabends kamen von weit her, um die Smetana-Philharmoniker Prag unter der Leitung von Hans Richter zu hören.

Mitgebracht hatte das 2004 gegründete Ensemble den sechs sinfonische Dichtungen umfassenden Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedrich Smetana – ein patriotisches Meisterwerk voller Dramatik, Sehnsucht und pittoresker Vielfalt, das mit dem zweiten Teil „Die Moldau“ einen Hit in der ewigen Chartliste klassischer Melodien aufzuweisen hat.

Alles begann mit sanften Harfenklängen, doch schon bald übernahmen die Streicher und Bläser die emotionale Berichterstattung über den Aufstieg und den Verfall des Schlosses Vysehrad mit den dort ansässigen Fürsten und Königen.

Von Beginn an erwies sich das Orchester als homogener Klangkörper, der den Brückenschlag zwischen spätbarocken Kompositions-Fragmenten und romantischer Neuorientierung beherrschte. Mit fast tänzerischer Leichtigkeit gelangen die Übergänge innerhalb der Instrumentengruppen. Rhythmische Wechsel und Tempi übertrugen sich geschmeidig durch den Dirigentenstab auf das Orchester, Crescendo und Decrescendo verschmolzen mit der Raumakustik zu einem wahren Vergnügen.

Das Moldau-Thema sorgte für Gänsehaut, und manches Pärchen rutschte in den vollbesetzten Sitzreihen etwas enger zusammen. Und dass sich die Herren der Bläsersektion immer mal fröhlich im Rhythmus wiegten, tat der genießerischen Ernsthaftigkeit auch keinen Abbruch.

Dass man Smetana und nicht nur ihm die kompositorische Nähe zur heimischen Folklore zum Vorwurf machte, kann man heute nicht mehr nachvollziehen. Gerade im vierten Teil „Aus Böhmen Hain und Flur“ wirkte das volkstümliche Element wie frisches Wasser auf die schwergängigen Mühlräder der künstlerischen Arroganz.

Wie sich im Vorbeigehen Dur und Moll die Hände reichten, elegische Bassfiguren und wabernde Streicherarpeggien für viel Spannung sorgten und die Finalvorbereitungen filigran und minutiös aufgearbeitet wurden, dafür gebührte den tschechischen Instrumentalisten und dem Dirigenten Hans Richter höchster Respekt. Mit großem Applaus und stehenden Ovationen bedankte sich das begeisterte Publikum.

Von Andreas Köthe

Quelle: HNA

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