Schatz im Kirchenboden

Sensation: Arbeiten brachten mittelalterliche Mauern ans Licht

Niederelsungen. Als die ehrenamtlichen Helfer mit Bagger und Schaufel die Boden-Sandsteinplatten in der Niederelsunger Kirche abtrugen, haben sie nicht mit einem so großen Schatz unter ihrer Kirche gerechnet.

Während der Sanierungsarbeiten wurden alte Grundmauern der Kirche entdeckt. „Das ist ein Glücksfall. Nur selten findet man so gut erhaltene Mauern“, sagt Archäologe Dr. Jürgen Kneipp der Firma Erdreich.

Im Ostteil der Kirche wurden vier Bauphasen entdeckt. „Die ältesten Steine bilden den halbrunden Bogen“, sagt Dr. Klaus Sippel, Bezirksarchäologe am Landesamt für Bodendenkmalpflege Hessen. Diese könnten aus dem frühen neunten oder zehnten Jahrhundert stammen. Möglicherweise wurde der Chor im späten Frühmittelalter neu erbaut, später wieder verkleinert. In einer weiteren Bauphase wurden die Fundamente des östlichen Chores dann wieder vergrößert. Auch Keramik- und Metallfunde aus dem Früh- und Hochmittelalter wurden im Boden gefunden. Insgesamt handelt es sich um fast 500 Fundstücke.

Alte Grundmauern entdeckt: Bei Sanierungsarbeiten in der Niederelsunger Kirche legten die Bauarbeiter Mauern aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert frei. Es wurden auch Keramik- und Metallteile gefunden.

Auch im westlichen Teil des Schiffes wurden Grundmauern unterschiedlicher Bauphasen entdeckt. Die Wissenschaftler diskutieren über die genaue Datierung und darüber, ob die Kirche in Niederelsungen sogar mal eine dreischiffige Basilika war - und damit wesentlich größer als die heutige Kirche. Es gibt Indizien, die dies bezeugen. „Für eine einschiffige Kirche ist diese sehr lang und schmal“, sagt Pfarrer David Bienert.

Darüber hinaus wurden eine sehr dicke Mauer, eine so genannte Zwei-Schalen-Mauer, Bodenauflagen für Pfeiler und ein ummauertes Loch im Boden entdeckt.

Artikel aktualisiert um 14.45 Uhr.

Das Geheimnis um das Bodenloch und einer dreischiffigen Basilika ist noch nicht gelüftet. Geld für weitere Grabungen fehlt. Die archäologischen Befunde und Funde haben den Zeitplan verzögert und die Baukosten erhöht. Eine schwarz-rote Brandschicht im Chorraum auf den Grundmauern zeugt vermutlich von einem Brand in der Kirche. „Die Datierung dieses Brandhorizontes ist noch unklar“, sagt Dr. Jürgen Kneipp. „Mit der so genannten C14-Analyse kann der Zerstörungshorizont bis auf eine Abweichung von 20 bis 30 Jahren datiert werden.“

Bilder: Mittelalterliche Mauern entdeckt

Sensation: Mittelalterliche Mauern entdeckt

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wird der Boden abgesenkt und der Eingang in die Kirche barrierefrei gestaltet. Renoviert werden ebenfalls die Empore und die Orgel, die schon ausgebaut ist. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 900.000 Euro. Davon trägt die Gemeinde rund 100.000 Euro. Gut 10.000 Euro an Spenden fehlen noch.

Wenn der Zeitplan eingehalten wird, kann der erste Gottesdienst im kommenden Jahr zum Erntedankfest gefeiert werden. (pju)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Johanna Uminski

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