Saskia Pfannkuch war zwei Jahre in Benin

Gensungen. Es ist für Saskia Pfannkuch völlig normal, sich morgens unter die heiße Dusche zu stellen - obwohl sie sich die letzten zwei Jahre mit Wasser aus einem Eimer gewaschen hat. Überhaupt hatte sich die Gensungerin das Ankommen in Deutschland nach zwei Jahren in Benin komplizierter vorgestellt.

„Wir wurden in Seminaren darauf vorbereitet, dass die Rückkehr schwierig sein könnte“, erzählt die 21-Jährige. „Aber die Umstellung war nicht so groß wie erwartet.“

Trotzdem vermisse sie vieles. „Die Menschen natürlich. Die Wärme. Und das viele Draußensein - in Deutschland hält man sich mehr im Haus auf als in Benin.“ Umgekehrt gab es aber auch vieles in Deutschland, auf dass sie sich gefreut hatte. Neben Familie und Freunden, mit denen sie nur per E-Mail und in seltenen Telefonaten Kontakt hatte, hat ihr in Benin vor allem eins gefehlt: Brot. „In dem Dorf, in dem ich gelebt habe, gab es keine Backöfen.“

Stattdessen stand Maisbrei auf dem Speiseplan. Der habe ihr aber auch gut geschmeckt, verrät sie. Um Rezepte aus Benin auch zuhause nachkochen zu können, hat sie sich einen hölzernen Mörser mitgebracht, in dem sie zum Beispiel Bohnen oder Gewürze zerstoßen kann. Auch eine bunte Tasche und ein Übersetzungsbuch gehören zu den Erinnerungsstücken.

Allzu viel Zeit, über ihre Zeit in Benin nachzudenken, bleibt Pfannkuch derzeit aber gar nicht. Im Oktober beginnt ihr Medizinstudium in Greifswald - und dafür muss sie einiges vorbereiten. „Auf der einen Seite finde ich es schade, dass die Gedanken an Benin jetzt schon wieder durch Neues verdrängt werden“, sagt Pfannkuch, „aber ich hätte auch keine Lust gehabt, noch ein halbes Jahr herumzusitzen und nichts zu tun.“ Schon jetzt ist es für die 21-Jährige ungewohnt, nicht ständig beschäftigt zu sein. In Benin blieb ihr kaum eine ruhige Minute. Auch das ist etwas, was sie vermisst hat: Privatsphäre. „In Benin standen die Türen meistens offen.“

Viel Eindrücke gesammelt: Saskia Pfannkuch in einem Waisenhaus im Dorf Taiacou. Foto: privat

Manches, was Pfannkuch in Benin erlebt hat, versucht sie, auch in Deutschland beizubehalten. „In Benin grüßt man sich häufiger und ausführlicher, wenn man sich auf der Straße trifft“, erzählt sie. „Das würde ich in Deutschland gern auch tun - aber meistens weiß ich gar nicht, was ich in dem Moment sagen soll.“

Sie habe sich durch die Zeit in Benin verändert: „Ich bin selbstbewusster geworden“, stellt die 21-Jährige fest, „und gelassener: Früher habe ich mich schnell verrückt gemacht, wenn etwas nicht klappte.“ Die nächsten Jahre wird Pfannkuch in Deutschland verbringen. „Aber ich könnte mir vorstellen, später nochmal für längere Zeit nach Afrika zu gehen - zum Beispiel, um als Ärztin dort zu arbeiten“, sagt sie. Ihre Zeit in Benin wird sie jedenfalls in guter Erinnerung behalten. „Ich kann das auf jeden Fall weiterempfehlen.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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