„Ich mache das, was mich glücklich macht.“

Ein saugutes Leben: Michael Pillkowsky betreibt Landwirtschaft wie früher

Lust auf Leckerli: Michael Pillkowsky mit Sattelschwein Mathilde. Foto: Lukas Metzger

Nassenerfurth. Wenn einer Michael Pillkowsky vor 20 Jahren erzählt hätte, dass er mal einen Biohof in Nassenerfurth betreiben würde, er hätte es nicht geglaubt. Damals hatte der Kasseler gerade den Beruf des Zahntechnikers erlernt und hatte mit Pferden und Hühnern nichts am Hut.

Das blieb auch so, als der Kasseler noch ganz andere Wege einschlug: Er sattelte auf den Beruf des Erziehers und Familienberaters um, eröffnete eine Motorradwerkstatt - und fand dann das Leben, das dem 39-Jährigen richtig Freude macht. Er führt seit zwei Jahren den Schmiedehof in Nassenerfurth als Biohof.

Dabei kam er zum Acker wie die Jungfrau zum Kind. Statt mit Motoren hatte sich Pillkowsky einfach mehr mit seinen riesigen Shire-Horse-Pferden beschäftigen wollen, die er gekauft hatte. Der 39-Jährige ging auf die Suche nach einem Ort, wo das möglich war - und landete samt Lebensgefährtin und zwei Shire-Horse-Pferden auf dem Schmiedehof.

Dort wurde die Landwirtschaft, die er nun als Biobetrieb führt, quasi zum Selbstläufer. Im ersten Jahr, erzählt er, habe er lediglich Kartoffeln für sich und Hafer für die Pferde angebaut. Dann kam ein Gewächshaus hinzu. Dann schaffte er die ersten Schweine an. Dann 200 Vorwerk-Hühner.

Die Tiere gehören jener alten Rasse an, die zum einen viele Eier legt, zum anderen auch prima schmeckt. Letzteres hören die Tiere, die am Hof ein beschauliches Leben führen und höchstens mal von einem Ferkel aufgescheucht werden, wohl nicht besonders gerne. Im Gegensatz zu den Kunden, die Pillkowsky im Hofladen mit Eiern, Honig, Gemüse und Fleisch versorgt.

Viele der Feldfrüchte, die er verkauft, holt er umweltfreundlich mit Hilfe seiner Shire-Horse-Dame Hermine aus der Erde. Pillkowsky verzichtet so weit es geht auf den Einsatz eines Treckers. Denn ein Traktor sei im Gegensatz zu Hermine laut und stinkend. Eben eine Maschine, die den Boden verdichte und die Umwelt vergifte. Vor allem biete die Arbeit auf dem Feld mit dem Pferd das, was kein Trecker dieser Erde könne: eine echte Tiefenentspannung.

Pillkowsky ist tatsächlich alles andere als ein aufgeregter Typ. Einer, der die Früchte seiner Arbeit im Wortsinne zu schätzen weiß: „Wenn man sein eigenes Rind, seine eigenen Kartoffeln und das Gemüse auf den Tisch bringt, dann ist das wirklich cool.“ Einer, der von sich sagt: „Ich mache das, was mich glücklich macht.“

Zu seinem Glück gehört nun auch, dass er seit dieser Woche mit einer halben Stelle als Erzieher an der Homberger Hermann-Schafft-Schule arbeitet. Zur Arbeit mit den Tieren kommt die Arbeit mit jungen Menschen hinzu. Eine Arbeit, auf die er sich freut.

Hat er ein besonderes Talent fürs Glück? Nein, sagt Pillkowsky. „Vielleicht nur weniger Angst, die Dinge zu ändern, die mich unglücklich machen.“

Biolandwirt Michael Pillkowsky vom Schmiedehof in Nassenerfurth veranstaltet am Sonntag, 4. September, einen Kartoffel-Ernte-Tag. Und zwar genau so einen, wie man ihn aus früheren Zeiten her kennt. Dabei können die Besucher erleben, wie Pillkowsky zusammen mit Arbeitspferd Hermine die Kartoffeln aus dem Acker rodet, die die Besucher dann je nach Bedarf aufklauben können.

Quelle: HNA

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