Sauscharf und von innen jung

Herbert Knebels Affentheater rockte das Wolfhager Kulturzelt

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Voller Einsatz: Herbert Knebel (vorn) rockte mit seinen Kollegen Ozzy (Gitarre), Pichl (Bass) und Trainer (Schlagzeug) das Wolfhager Kulturzelt und wurden dafür vom Publikum gefeiert.

Wolfhagen. Ob es nach der Show von Herbert Knebels Affentheater am Sonntag im Kulturzelt eine gesteigerte Nachfrage nach Currywurst am Futterstand auf dem Festivalgelände gegeben hat, ist nicht bekannt, aber durchaus denkbar:

Die Rentner-Truppe aus dem Ruhrgebiet hatte zuvor das „Phosphatgeschoss“, gewissermaßen die Leibspeise der Kohlenpott-Bewohner, mit derartiger Hingabe besungen, dass es bei so manchem Nordhessen die verschärfte Lust auf die Wurst ausgelöst haben dürfte. Zu R.E.M.s „Imitation of Life“ huldigten Knebel und Kollegen dem geschnippelten Schnellfutter: „Die Curry-Wurst mit Curry dran, dat isset, wat man hier gut kann“, hieß es im Refrain.

Und auch sonst spielt Essen, der Sex im Alter, eine wichtige Rolle für die Oldie-Gang. Zu Höchstform läuft Herbert Knebel auf, wenn er Ausflüge in exotische Gourmet-Regionen mit seiner Frau Guste beschreibt. Der Besuch in der Glutamat-Höhle, beim Chinesen, war vergleichsweise harmlos gegen den Abstecher zum Inder. Bei drei Schärfe-Graden entscheidet sich Knebel für die mutige Variante. „Mach sauscharf“, gibt er dem Kellner auf.

Kurzer Moment der Gier

Seiner Guste wird’s zum Verhängnis. Sie kann sich wie immer nicht bremsen, muss gleich von Vatters Teller probieren, noch vor ihrem Gatten. Der sagt: „Der kurze Moment der Gier hat mir das Leben gerettet.“ Die Beschreibung, wie seine Guste auf das Höllen-Feuer reagiert hat? Großartig. Das farbliche Changieren wie eine Lava-Lampe, das Wegzischen aller erreichbaren Getränke vom Himalaya-Pilsener bis zum Wasser im Hundenapf - köstlich.

Wenn Herbert nicht Gustes Dusseligkeit beschreibt, etwa als Nichtschwimmerin im Stadtbad, in dessen Becken er sie übermütig stieß, („wusste gar nicht, wie gut die tauchen kann“) nehmen sich die vier Rentner gegenseitig oder auch gern selbst auf die Schippe. Meist kriegt allerdings der grenzdebile „Trainer“, der Schlagzeuger, sein Fett weg, um dann aber die Kumpels beim Stadt-Land-Fluss-Spielen als Schnell-Checker in den Sack zu stecken.

Die Musik, die Songs mit selbstgebastelter Ruhrpott-Lyrik, ist zentraler Teil der Affentheater-Show, der rote Faden, und das Element, mit dem nach Kalauern und Zoten immer wieder das Tempo verschärft wird. Dann heißt es „Wir tun euch jetzt rocken“, frei nach Queens „We Will Rock You“. Gitarrist Ozzy, mit voluminöser Bierplautze ausgestattet, nimmt flirtend Kontakt zum weiblichen Publikum auf mit „Du sexy Ding“ von Hot Chocolate. Aus Scott McKenzies Flower-Power-Hymne wird der Senioren-Protestsong „Ich geh nie ins Sankt Franziskus“, das örtliche Altenheim. Statt dessen brennt noch immer „das Alte Feuer“, besser bekannt als Cashs „Ring of Fire“.

Und als Knebel zum Schluss seinem großen Idol huldigt und im Elvis-Glitzer-Overall den King wiederbelebt, gibt es im tobenden Publikum keinen Zweifel mehr: Diese schrägen Kohlenpott-Rentner sind - Dylans „For Ever Young“ lässt grüßen - noch immer „Von innen jung“.

Heute im Zelt: Comedy-Duo Badesalz, „Dö Chefs“, 20 Uhr, Karten gibt es noch an der Abendkasse.

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Quelle: HNA

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