Schäfer-Gümbel fordert Steuererhöhungen für Reiche

Backhausbrot und ahle Worscht für den SPD-Parteichef: Thorsten Schäfer-Gümbel erhielt das Schwälmer Standardpräsent am samstag im Hotel Combecher in Neukirchen, links Fraktionskollegin Regine Müller, rechts Neukirchens SPD-Vorsitzender Bernd Grossmann.

Neukrichen. Als der Mann mit der Brille, dem Doppelnamen und der gern bespöttelten Liebe zu einem großen süddeutschen Fußballclub stellte sich der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel am Samstagnachmittag in Neukirchen vor.

Wahlkampf mit Parteienschelte wolle er bei einem Neujahrsempfang grundsätzlich nicht machen, „keine Beschimpfungen, keine Attacken".  Knapp 100 Zuhörer, unter ihnen erwartungsgemäß eine größere SPD-Kreisprominentenrunde um Landrat Frank-Martin Neupärtl und Kreistags-Chef Michael Kreutzmann, wollten dennoch nicht enttäuscht werden.

Nicht nur Genossen hörten im Saal des Hotels Combecher dem zu, was der Gast aus Südhessen im Knüllstädtchen zu sagen hatte. Tatsächlich kam dem Nachfolger von Andrea Ypsilanti der Name der gegnerischen Parteien nicht über die Lippen. Schäfer-Gümbel baute professionell kleine Episoden in seinen wohltemperierten Rundumschlag gegen die Profiteure der Bankenkrise ein, zum Beispiel Begebenheiten auf einer Dänemarkbereisung im Windschatten von Roland Koch. Um Ermüdungen vorzubeugen, erdete er seine Beschwörung einer gerechteren Gesellschaft. „Ohne Moos nix los“, das treffe insbesondere für die 80 Prozent der hessischen Städte und Gemeinden zu, die in immer dramatischerer Weise selbst ihre Pflichtaufgaben nicht mehr bezahlen könnten. Und es sei verwerflich, wenn der Konzernvorstand 500 mal mehr verdiene als sein Lagerarbeiter.

Kernthese des SPD-Landes- und Fraktionschefs: Die Verschuldung stoppen und die Lasten der Wirtschaftskrise nicht länger denen aufbürden, die von von ihrer Hände Arbeit allein nicht mehr leben können. Mit 9000 Euro, so der Politiker, sei jeder einzelne Deutsche an den Verlusten der Finanzkrise beteiligt.

Die Generation der 18- bis 35-Jährigen braucht laut Schäfer-Gümbel am dringendsten eine Politik, die ihr Sicherheit und ein Mindesteinkommen bringt. Dies sei, so der Politiker, der Schlüssel in der Familienpolitik, nicht das Erziehungsgeld.

Knapp unter 45 Minuten blieb Schäfer-Gümbel in seiner Rede, die immer wieder die Begriffe Verteilungsgerechtigkeit und Solidarität beschwor und die vier mal von vernehmlichem Applaus unterbrochen wurde. „Steursenkungen versprechen mehr Spaß“, merkte Schäfer-Gümbel verschmitzt an und wetterte im selben Atemzug gegen die „Mövenpicksteuer“. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen sei absurd und habe die Einsparungen in Höhe von 70 Millionen Euro im Bildungssystem aufgezehrt.

Schäfer-Gümbel weiß, dass die „erforderlichen 20 Milliarden Euro für eine bessere Bildung nicht wie Manna vom Himmel fallen“ würden. Durch Steuererhöhungen für das Viertel der Bundesdeutschen, denen der Löwenanteil des privaten Vermögens gehöre, will Schäfer-Gümbel seine gerechtere Gesellschaft bezahlen, daran ließ er keinen Zweifel.

Am Ende war das alles natürlich dennoch Wahlkampf. Fürs erste fuhr der Parteichef in Neukirchen aber ein Geschenk ein, das er nach weiteren Stationen gewiss gern mit nach Hause nahm. Neukirchens SPD-Vorsitzender Bernd Grossmann hatte ein Bauernbrot und eine ahle Worscht parat. (aqu)

Quelle: HNA

Kommentare