Erzählcafé: Keramikerin Monika Dörrbecker war in Holzburg zu Gast

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Zu Gast beim Erzählcafe in Holzburg: Monika Dörrbecker mit einer Schüssel von Johannes Dörrbecker aus dem 17. Jahrhundert mit Inschrift. 

Holzburg. Keramikerin Monika Dörrbecker war zu Gast im Erzählcafé in Holzburg und erzählte über ihre alteingesessene Töpferfamilie aus Treysa, den Ursprung der Schwälmer Tonkunst und Traditionen.

Leitet das Erzählcafé: Kulturanthropologin Heidrun Merk.

Interviewt wurde die gebürtige Frankfurterin von der Kulturanthropologin Heidrun Merk, die das Erzählcafé leitet. Die Spuren der Familie Dörrbecker lassen sich bis ins 17. Jahrhundert verfolgen. Schon damals sei dieTöpferfamilie in Michelsberg, Frielendorf und Treysa vertreten gewesen, erläuterte Dörrbecker. Johannes Dörrbecker war es, der im 18. Jahrhundert das Töpferhandwerk an den Ort band und eine Werkstatt baute. „Er brannte seine Stücke drei bis vier mal im Jahr“, erzählte die Keramikerin.

In jedem Haushalt zu finden

Aus dieser Zeit stamme auch die Formensprache der Schwälmer Töpfe. Besonders das sogenannte „Hellerschälchen“ habe sich in der Region etabliert. Ursprünglich habe sich das Schälchen aus „Hellersprobe“ entwickelt - Töpfer entnahmen sie aus dem Brand, um die Temperatur zu bestimmen. Später wurde das Schälchen auch als Tassenschälchen verwendet und wurde zum Gebrauchsgeschirr. Heute sei es in fast jedem Schwälmer Haushalt zu finden, erläuterte Dörrbecker. Monika Dörrbecker selbst entdeckte ihre Leidenschaft für Ton in frühen Jahren, als sie kleine Tontassen aus der Marburger Region für ihre Puppenküche geschenkt bekam.

Während ihres Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach machte sie ein Praktikum in die Töpferwerkstatt in Marburg. Nach ihrer Gesellenprüfung traf sie ihren Ehemann und eröffnete zusammen mit ihm 1967 die Werkstatt in Treysa. Um sich ernähren zu können, reichte es nicht aus, nur Gebrauchsgegenstände wie Geschirr zu brennen. Man musste neben der Landwirtschaft auch andere Einnahmequellen finden. So entstand im 18. Jahrhundert auch die Ziegelbrennerei, durch die sich eine hervorragende finanzielle Lage für die Töpfer ergab.

„Die Gemeinden erließen zu jener Zeit ein Verbot für Strohdächer und gaben Ziegeln Dachbedeckung vor“, verdeutlichte die Expertin. Die Keramikerin kam nicht mit leeren Hände nach Holzburg. Sie brachte Funde aus dem 17. Jahrhundert mit. Eine Schüssel von Johannes Dörrbecher zeige die typische Schwälmer Form: „Das Herzkartuschen-Muster hat die Tradition der Dörrbeckens besonders geprägt.“ Ihr Schwiegervater war es, der das Geschirr in der Region vertrat.

Auch heute töpfert Monika Dörrbecker noch leidenschaftlich gerne für Freunde, Nachbarn und sich selbst. „Die Freude am Töpfern ist dieselbe, wie zu Beginn meiner Lehrlingszeit“, erklärte die Treysaerin.

Von Linett Hanert

Quelle: HNA

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