Angestrebter Kauf von Kasernen: Schafe müssten weichen

Gerade geboren: Auf der Wiese des Truppenübungsplatzes werden derzeit täglich Lämmer geboren.

Homberg. Wenn sich die Homberger Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstagabend für den Kauf der Restflächen der Dörnbergkaserne und der Gesamtfläche der Ostpreußenkaserne entscheiden, dann entscheiden sie sich zugleich auch gegen die Zukunft des Schäferbetriebes von Hans-Jürgen Rindt.

Das zumindest sieht der Schäfer aus Frielendorf so, der seit 1973 seine Herde auf dem Gelände hütet.

„Auf dem besten Stück Wiese sollen dann Freiflächen-Photovoltaikanlagen aufgestellt werden“, sagt Rindt. Und das auf einer Fläche von rund 40 Hektar. „Insgesamt ist das Areal 157 Hektar groß, doch nur auf diesen 40 Hektar lässt es sich gut weiden“, sagt der Schäfer.

Denn während seine 800 Mutterschafe in diesen Tagen noch das saftige Gras im Tal abgrasen und somit zugleich tierische Landschaftspfleger sind, ist ein paar Meter weiter an den Hangwiesen eher gelb-grün, der Boden steinig, Bäume, Büsche und Tümpel bestimmen das Bild. „Da finden die Tiere nicht ausreichend Futter und das Stecken der Zaunpfähle wird für uns zur Qual. Wir können dann eigentlich nicht mehr hier bleiben“, sagt Schäferin Mirijam. Auch die Heuernte, die wiederum Futter für die Schafe liefere, falle flach. „Auf der Wiese stehen dann ja die Photovoltaikanlagen.“ Und zwischen denen wachse kaum Gras. Die Tiere dazwischen grasen zu lassen, komme auch nicht in Frage. „Das Risiko ist zu groß, dass etwas kaputt geht. Es sollen Niedrigständer aufgebaut werden. Die sind gerade mal 60 Zentimeter hoch. Wie haben Ziegen in der Herde und die sind kleine Klettermeister“, sagt Rindt. Enttäuscht ist der Schäfer darüber, dass man seinen Betrieb bei allen Planungen wohl einfach vergessen habe. „Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt, eine Ausgleichsfläche wird uns nicht angeboten und gibt es in der Größe wie wir sie brauchen auch nicht“, sagt er.

Er habe einen Pachtvertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). „Wird das Gelände verkauft, kann man uns fristlos kündigen und wir verlieren von einem auf den anderen Tag unsere Existenz“, fügt er an. Das wäre für den Familienbetrieb eine Katastrophe.

Bitter sei zudem, dass es auf dem Gelände bereits erste Vermessungen gegeben habe. „Und das auf dem Gelände, dessen Pächter wir noch sind. Gesagt haben wir nichts, weil wir noch auf eine guten Ausgang für uns hoffen“, sagt die Schäferin.

Insgesamt drei Mitarbeiter der Schäferei und deren Familien seien betroffen. „Für uns geht es um die Existenz, aber das kümmert offenbar niemanden“, sagen die Schäfer. Dabei habe doch einst der Wollhandel in Homberg geblüht und sei auch ein Stück Geschichte der Stadt.

• Öffentliche Sitzung der Stadtverordneten: Donnerstag, 29. März, 19 Uhr, Homberger Stadthalle.

Quelle: HNA

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