In Holzburg lagen über 300 Jahre lang Münzen in einem Milchtöpfchen vergraben

Der Schatz unter dem Stall

Münzschatz: Er wurde im so genannten Kroatenjahr 1636/37 während des Dreißigjährigen Krieges von einem Unbekannten in Holzburg vergraben hat, um sein Erspartes vor den Plünderungen in Sicherheit zu bringen. Foto:  privat

Holzburg. In Holzburg wurde im Dreißigjährigen Krieg ein Schatz versteckt, der erst mehr als 300 Jahre später entdeckt wurde. Im so genannten Kroatenjahr 1636/37 brachte ein Unbekannter seine Ersparnisse vor Plünderungen in Schutz, indem er sie vergrub.

Der Schatz, der aus vielen Münzen bestand, wurde 1955 in einem alten Stallgebäude in der Burgstraße entdeckt, als das um 1775 gebaute Haus teilweise abgebrochen und renoviert wurde. Das schreibt Niklot Klüßendorf, Professor für Numismatik (Münzkunde) an der Universität Marburg. Das Geld war in einem blau glasierten Milchtöpfchen versteckt. Die Münzen waren mit einem zerbrochenen Löffel abgedeckt worden.

Wie so oft hatten die Entdecker Angst, dass ihr Fund beschlagnahmt werden würde und verteilten ihn stattdessen untereinander. Einige Stücke landeten sogar in der Hand von Münzsammlern.

So vergingen die Jahre, bis das Ortsjubiläum 1982 anstand. Dann überredet Pfarrer Wiegand aus Holzburg die Familie, den Schatz endlich den zuständigen Landesbehörden zu melden und verbürgte sich für die Rückgabe nach der Begutachtung.

So kam damals heraus, dass das kleine Vermögen – immerhin noch 97 Silbermünzen umfassend – 1636 vergraben worden war, um den Plünderungen durch fremde Truppen in dem berüchtigten Kroatenjahr zu entgehen. Damals rückten Kroaten in die Landgrafschaft Hessen-Kassel ein.

Der Holzburger Schatz bestand aus hochwertigen Münzen, schreibt Klüßendorf. Darunter befanden sich spanisch-niederländische Philippstaler und Kleingeld sowie englische Schillinge. Die stammten noch aus der Zeit vor 1623 und waren vorsorglich gespart worden. Da Holzburg damals noch zu Hessen-Darmstadt gehörte, aber zu drei Seiten von Hessen-Kassel umschlossen war, mischten sich die damaligen Kleingeldsorten beider Seiten in diesem spektakulären Fund.

Der Holzburger Schatz gilt in Fachkreisen als beispielhaft für den Dreißigjährigen Krieg, als die Menschen angesichts der schrecklichen Ereignisse ihr Vermögen vergruben. Häufig wurden die Verstecke allerdings nie wieder gefunden.

Übergabe beim Jubiläum

Der Holzburger Schatz aber wurde der Entdeckerfamilie nach damaligem Recht zurückgegeben. Klüßendorf wohnte damals dem Festumzugs zum Jubiläum Holzburgs 1983 bei. Zu seiner großen Freude hatte sich die Familie damals in Tracht gekleidet. „Seitdem habe ich ein besonderes Verhältnis zur Schwalm“, schreibt der Marburger Professor. (cls)

Quellen: Niklot Klüßendorf: „Fundberichte aus Hessen 24“ (1984) und „Numismatik und Geldgeschichte: Basiswissen für Mittelalter und Neuzeit“, (2015) 16 Euro.

Quelle: HNA

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