Die seltene Rohrweihe rastet in der Schwalm

Im Schaukelflug auf Mäusejagd

V-förmig nach oben gestellte Flügel: Rohrweihenmännchen.

Schwalm. Etwa 15 Greifvogelarten können im Schwalm-Eder-Kreis beobachtet werden. Wer sich diese Vielfalt vor Augen führt, kommt unweigerlich zur Frage: Wie jagen die Vögel ihre Beute, ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen oder sich zu verdrängen? Die derzeit als Durchzügler in der Schwalm rastende Rohrweihe ist da ein gutes Beispiel.

Der allbekannte Mäusebussard wartet auf einem Zaunpfosten oder einer anderen Ansitzwarte auf unvorsichtige Mäuse. Turmfalken machen ihrem Zweitnamen „Rüttelfalke“ alle Ehre, sie „stehen“ rüttelnd an einer Stelle in der Luft und suchen den Boden unter ihnen nach den kleinen Säugern ab. Der Mäusebussard spart auf dem Ansitz zwar Energie, kann aber Bereiche ohne Ansitzmöglichkeiten kaum zur Beutejagd nutzen. Für den Turmfalken gilt umgekehrt: Der Energieaufwand des Rüttelflugs ist hoch, doch kann der Falke so auch dort jagen, wo der größere Bussard fehlt.

Einen dritten Weg gehen die Weihen, die perfekt an die Mäusejagd im offenen Gelände angepasst sind. Als einzige Greifvögel brüten sie daher sogar am Boden, vor allem in Schilfbeständen und Getreidefeldern. In Hessen kommen drei Weihenarten vor: Wiesen- und Kornweihe als Durchzügler, die Rohrweihe aber auch als Brutvogel. Ihre nächstgelegenen Brutplätze befinden sich im Raum Wabern. Derzeit sind jedoch regelmäßig einige Rohrweihen in der Ackerlandschaft zwischen Willingshausen, Wasenberg, Treysa und Ziegenhain oder im Rückhaltebecken zu sehen.

Schon auf größere Entfernung fällt ihr typischer Mäuse-Suchflug auf: Sie rütteln nicht und sitzen auch nicht einfach an, sondern fliegen wenige Meter hoch in endlosen, schaukelnden Flügen über die Äcker. Auf mehrere Flügelschläge folgt eine Gleitphase mit leicht V-förmig nach oben gestellten Flügeln, immer bereit, blitzschnell zu Boden zu schießen. So überraschen sie immer wieder Feldmäuse und andere Kleintiere. Der Schaukelflug ist der perfekte Mittelweg zwischen Ansitzjagd im Energiesparmodus und dem Power-Rütteln des Turmfalken – und die drei Mäusejäger gehen sich dabei wortwörtlich „aus dem Weg“. Bis Ende September sind die Chancen auf eine Begegnung mit den bussardgroßen Rohrweihen in den genannten Gebieten gar nicht schlecht, wenn man mit Hilfe eines Fernglases die Ackerflächen absucht. Danach ziehen diese einmaligen Greifvögel in ihr Winterquartier im Mittelmeerraum.

Von Heinz und Stefan Stübing

Quelle: HNA

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