Dieter Knauf aus Ziegenhain spielte als Komparse im Kinofilm „Lore“ mit

Ein Tag als Schauspieler

Im abgetragenen Anzug: Dieter Knauf musste sich für seine Rolle als Reisender im Film Lore den Bart wachsen lassen und abgerissene Kleidung tragen. Hier steht er während einer Pause neben Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl, die die Lore spielte. Foto: privat

Schwalmstadt. „Und Bitte!“, schallte es wieder und wieder über die mit Baumstümpfen übersäte Lichtung. Sofort rollte ein Militärjeep los, in Lumpen gekleidete Flüchtlinge marschierten in Richtung eines Kontrollpunktes. Vor allem musste die Szene mehrfach wiederholt werden, wenn gerade ein Flugzeug am Himmel kratzte, der Ruf „Airplane!“ bedeutete: zurück auf die Startposition, denn im zerstörten Deutschland jener Zeit gab es keine Kondensstreifen am Firmament.

Ein Filmdreh kann lange dauern, das hat Dieter Knauf aus Ziegenhain dabei gelernt. Der 64-Jährige spielte in dem Kinofilm „Lore“ der australischen Regisseurin Cate Shortland als Komparse mit. Das war im Sommer 2011. Jetzt startete der Film im Burgtheater in Treysa.

Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die 1945 quer durch Deutschland reisen muss. Einige Szenen wurden bei Jesberg gedreht.

Durch Zufall zur Rolle

Dieter Knauf ist zufällig zu seiner kurzen Filmkarriere gekommen. Der pensionierte Polizeibeamte war mit seiner Frau Gisela Anfang Juli 2011 im Urlaub auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs. Vor der ersten Übernachtung kamen sie in einer Herberge in Görlitz mit einem jungen Paar ins Gespräch. „Die fragten uns, ob wir Interesse hätten, als Komparsen in dem Film mitzuspielen“, erinnert sich Knauf. Allerdings für Dreharbeiten in Ostdeutschland. „Ich erklärte dann, dass wir aus Ziegenhain kommen.“ Wie es der Zufall wollte, war die Jesberg einer der nächsten Drehorte des Filmteams.

Beim Casting in Treysa am 31. Juli bekam Dieter Knauf seine Rolle als Reisender und auch gleich sein Kostüm: einen abgenutzten Anzug. Am 31. August ging es an einem heißen Tag um 9 Uhr im Wald bei Jesberg los. Für seine Rolle musste sich Knauf den Bart wachsen lassen und das Haar abrasieren. Außerdem wurde er dreckig gemacht: „Ein Maskenbildner hat mir schwarze Farbe auf die Finger geschmiert.“

Knauf musste für seine einzige Szene in dem Film etwa 50 Meter eines Feldwegs bergab laufen und an einem Kontrollpunkt seine Papiere vorzeigen, um dann den gleichen Weg zurück zu gehen – immer wieder. „Mindestens 15 Mal haben wir die Szene wiederholt“, erinnert er sich. Mal war das Licht nicht gut, mal hatte die Hauptdarstellerin ihren Text vergessen. Oder der Ruf „Airplane!“ stoppte den Dreh, wenn mal wieder ein Flugzeug am Himmel auftauchte.

Harter Job

„Schauspieler ist kein Job für mich“, ist sich Knauf nach dieser Erfahrung sicher. Er sei sehr anstrengend und mit viel Wartezeit verbunden. Erst nach über elf Stunden war der Tag als Darsteller für ihn beendet. Knapp 60 Euro Gage und einen Snack zu Mittag gab es dafür.

• Lore ist noch bis Mittwoch im Kino Burgtheater in Treysa zu sehen, je 20.15 Uhr, freigegeben ab 16 Jahren.

Von Jonathan Vorrath

Quelle: HNA

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