Der neue Ausstellungskatalog zur Geschichte Trutzhains dokumentiert Leid und Hoffnung

Von Schicksal und Neuanfang

Historie einer bewohnten Gedenkstätte: (von links) Bürgermeister Dr. Gerald Näser, Martina Raskop, Karin Brandes, Zeitzeuge Norbert Schidleja und Gedenkstätten-Mitarbeiter Christian Steidl präsentierten Trutzhainer Geschichte. Foto: Ehl-von Unwerth

Trutzhain. Es war ein Nachmittag voller Geschichte und Geschichten an einem historischen Ort: Bewegende Erinnerungen eines Zeitzeugen wechselten mit literarischen und fotografischen Präsentationen rund um die Entwicklung Trutzhains vom ehemaligen Kriegsgefangenenlager STALAG IX A Ziegenhain zur neuen Heimat für Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten.

Zu der Reise in die Entwicklungsgeschichte des Schwalmstädter Stadtteils lud am Sonntag die Katholische Kirchengemeinde Maria Hilf in Kooperation mit Gedenkstätte und Museum Trutzhain ein.

Zeittafeln und Dokumente

Fünf Jahre nach einer Ausstellung zum Thema Flucht, Vertreibung und Integration am Beispiel der Flüchtlingssiedlung Trutzhain stellte Autorin Martina Raskop nun den von ihr konzipierten Begleitband vor. Unter dem Titel „Im Fremden ungewollt zuhaus - Neue Heimat in Hessen und Trutzhain“ wurden darin noch einmal die wichtigsten Texttafeln der Ausstellung zusammengefasst und um Zeitzeugenberichte sowie aussagekräftige Dokumente ergänzt. Ziel dessen sei es, die Hintergründe für die Flucht und das Unrecht der Vertreibung darzustellen und zugleich den Mythos einer „raschen solidarischen Integration“ kritisch zu hinterfragen, beteuerte die Autorin. Inhaltlich gliedert sich der Katalog in mehrere Themenbereiche: Den Auftakt bilden Vorgeschichte und historischer Kontext sowie die Ursachen für Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den ehemaligen Ostgebieten.

Deren Ansiedlung in Deutschland und Hessen sowie das durch Wohnungsnot, Hunger und Arbeitslosigkeit geprägte Leben in der Fremde markiert einen weiteren Schwerpunkt. Dem schließt sich auf regionaler Ebene die wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung der Flüchtlingssiedlung Trutzhain zur eigenständigen Gemeinde an. Im Mittelpunkt stünden dabei stets menschliche Schicksale, denen mittels dargestellter Einzel- und Familienschicksale Rechnung getragen werde.

Fotos der Geschichte

Grundsätzlich verkörpere Trutzhain einen von Willkür und Vernichtung, aber auch von Aufbauwillen und Hoffnung geprägten Abschnitt deutscher Geschichte, fasste Martina Raskop ihre Erkenntnisse zusammen. Dies verdeutlichte auch die Fotoschau von Christian Steidl, der mittels ausgewählter Bildmotive diverse geschichtliche Phasen aus dem Dorfleben Trutzhains noch einmal visuell anschaulich dokumentierte. HINTERGRUND

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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