Der Marktplatz mit dem Brunnen und die Kirche sind die markanten Wahrzeichen

Schiefer Turm gehört dazu

Seit dem Abriss einiger alter Häuser ist der Blick auf die evangelische Kirche von Oberaula mit ihrem imposanten Turm frei. Der Marktplatz wird von den Einheimischen gerne genutzt. Foto: Herget

Oberaula. Ein markantes Wahrzeichen von Oberaula ist die Kirche mit ihrem 46 Meter hohen Kirchturm mit dem spitzen spätgotischen Turmhelm und seinen vier Ecktürmen. Vor der Kirche befindet sich der ansprechend gestaltete Marktplatz mit dem sechseckigen Marktbrunnen.

An den imposanten Turm lehnt sich seit 1717 ein neues Kirchenschiff an, ein barocker Saalbau. Er wird von einem großen Dachstuhl frei überspannt. Diese Konstruktion stellt für das Kirchenschiff und für den spitzen Kirchturm eine bautechnische Meisterleistung dar.

Zwei Kirchen im Mittelalter

Bereits im 12. und 13. Jahrhundert gab es in Oberaula zwei Kirchen. Während die einstige Kapelle auf dem Frauenberg verfallen ist, wurde die Kirche in der Ortsmitte im Jahr 1717 zu ihrer heutigen Größe ausgebaut.

Die Kirche war bis Ende der 1960er Jahre mit ortsprägenden Häusern umbaut. So standen die alte Schule und ein Häuschen mit Scheune vor der Kirche.

Der Zugang zur Kirche ging durch eine offene Scheune, in der auf der Kirchenseite ein großes schmiedeeisernes Tor eingebaut war. Von der Straße aus sah man nur den Kirchturm über den Dächern rausschauen.

Abriss der Gefrieranlage

Der Abriss dieser Gebäude und die Beseitigung der an gleicher Stelle später errichteten Toiletten- und Gefrieranlage haben Platz für den schönen Marktplatz mit Brunnen ergeben. An dem sechseckigen Brunnen sind die Namen der sechs Ortsteile von Oberaula eingearbeitet; ebenso die Eule, das Wappentier von Oberaula.

Der spitze hohe Kirchturm ist naturgemäß immer Wind und Wetter ausgesetzt und schützt die umliegenden Häuser mit seinem Blitzableiter vor Blitzeinschlag.

Etwa alle 20 bis 30 Jahre muss der Turm instand gesetzt werden. Zeugnis davon gibt zum Beispiel die Innenseite der Turmverschalung, auf der sich in 1912 der Dachdecker Ferdinand Frank von Neukirchen verewigt hat. Auch 1960 und 1980 wurde der Turm repariert.

1993 musste der verwitterte Turmwetterhahn abgenommen werden. Mitte der 1990-iger Jahre wurden die Glocken aus dem Turm genommen.

Die Holzkonstruktion war marode geworden, nachdem Schindel herabgefallen und Regenwasser eingedrungen war. Die Turmspitze geriet in beängstigende Schieflage, da es keine Verankerung der Turmspitze mit dem Mauerwerk gab.

Diese Mängel konnten bei der Turmreparatur im Jahr 2005 alle beseitigt werden.

Die Glocken sind wieder im Turm, die Kirchenuhr schlägt und zeigt die Zeit an. Der neue Wetterhahn sieht und wacht über die umliegenden Häuser, den Marktplatz und über das nahe Rathaus.

Beim jährlichen Sommermarkt auf dem Marktplatz bietet Pfarrer Rainer Knoth Turmführungen an. Dieser Sommermarkt, der jeweils am 1. Sonntag im Juli auf dem schön gestalteten Marktplatz im Mittelpunkt des Dorfes stattfindet, wird von allen Oberaulaern gut angenommen und gerne auch von Auswärtigen besucht.

80 Zentimeter aus dem Lot

Eines ist aber noch anzumerken: Nicht nur Pisa, auch Oberaula hat auch einen „schiefen Turm“.

Ein Foto mit Lotschnur, das kurz vor dem Abbau des Gerüstes der Turmreparatur im Juni 2005 gefertigt wurde, belegt, dass zwar das Gerüst lotrecht stand, der Turm mit seiner Spitze aber noch etwa 80 Zentimeter nach Westen aus dem Lot steht. Das mindert die Schönheit des imposanten Kirchturms mit der eindrucksvollen Oberaulaer Kirche jedoch keinesfalls. (nh)

Von Gerhard Herget

Quelle: HNA

Kommentare