Schießen mit alten Schwarzpulverwaffen: Feuerfuchs im Pulverdampf

Schuss aufs Ziel: Deutlich sieht man den Fuchs, die Feuerzunge, an der Mündung der Waffe von Jürgen Wicker. Foto:  zih

Bad Emstal. Wenn das Jahr noch jung ist, laden die Sander Sportschützen zu einer ganz besonderen Veranstaltung ein: zum Schießen mit nostalgischen Waffen.

Jedes Mal, wenn beim traditionellen Neujahrsschießen des Sander Sportschützenvereins ein Schuss abgegeben wurde, blitzte und krachte es nicht nur gehörig im Schießraum des vereinseigenen Schützenhauses „Auf den Birken“, sondern es durchzog auch eine stark riechende Pulverwolke den Raum.

Also nichts für empfindliche Ohren und Nasen, wobei es für die Schützen und auch die Zuschauer Pflicht war, während des Schießens einen Gehörschutz zu tragen. Denn geschossen wurde beim Sander Neujahrsschießen wieder einmal ausschließlich mit nostalgischen Vorderlader-Schwarzpulverwaffen. Bei den benutzten Gewehren und Pistolen handelte es sich aber überwiegend um Replikate von Originalwaffen, mit denen man im 19. Jahrhundert auf die Jagd ging oder in den Krieg zog.

Strenge Auflagen

Das Neujahrsschießen lief waffenrechtlich und technisch unter strengsten Auflagen ab. Denn Schützen, die nicht im Besitz eines für Schwarzpulverwaffen gesetztlich vorgeschriebenen Sprengscheins waren, durften nur mit einer solchen Vorderladerwaffe schießen, wenn ihnen ein Sprengstoffscheininhaber zur Seite stand. Zudem durften nur diese Experten die Waffe schussfertig machen.

Persönliches Heiligtum

Dafür hat jeder Sprengscheininhaber als eine Art persönliches Heiligtum seinen eigenen Werkzeugkoffer. Darin bewahrt er alle für das Schwarzpulverschießen benötigten Utensilien auf. Zum Beispiel den Lade- und Putzstock, Schwarzpulver, Zündhütchen, die notwendige Mischung für das Rundkugel-Geschossblei, Geschosspflaster und Geschossfett.

Hat er damit seine Waffe schussfertig gemacht und gibt den Schuss ab, in Sand sind historische Motivscheiben das Ziel, dann ist für einen Bruchteil einer Sekunde oft der Fuchs zu sehen. So bezeichnet man die den Lauf verlassende Feuerzunge, die auch in kleinerem Format beim Zündverschluss auftreten kann.

Großer Aufwand: Vorsitzender Alexander Maul mit allen Gerätschaften zum schussfertigen Laden der Waffe.

Urheber des Sander Schwarzpulverschießens war Anfang der 80er-Jahre der langjährige Vorsitzende Erich May. Er hatte damals ein Hinterlader-Zündnadeldienstgewehr aus dem 19. Jahrhundert erworben, das noch heute sein ganzer Stolz ist.

Inzwischen zählt die Wettkampfgruppe der Sander Vorderlader-Schwarzpulverschützen mit zu den erfolgreichsten auf nationaler Ebene.

Ausgetragen wurde beim Neujahrsschießen für Mitglieder und geladene Gäste, 63 Starterinnen und Starter warfen dabei, jeweils ein Schießen mit Vorderladergewehren und auch -pistolen.

Für Teilnehmer, die mit beiden Waffen schossen, gab es eine Kombinationswertung. In der Disziplin Gewehr siegte Gastschütze Axel Schell aus Sandershausen. Gefolgt von Elmar Buhre und Erich May. Auch im Wettbewerb Pistole belegte Axel Schell den ersten Platz. Auf den weiteren Rängen folgten Falk Siegmann und Jürgen Bräutigam. Durch den Doppelerfolg gewann Axel Schell natürlich auch die Kombinationswertung vor Falk Siegmann und Erich May.

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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