Schiit Ahmed Husseini fürchtete in Pakistan um sein Leben

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Schaut selbstbewusst nach vorn: Ahmed Husseini, gebürtiger Afghane, aus Pakistan geflohen. Seine Mutter hat der 18-Jährige seit anderthalb Jahren nicht gesehen, seinen Vater seit vier Jahren. Sie leben in Griechenland und im Iran.

Im Asylbewerberheim in der Wolfhager Pommernanlage treffen Menschen unterschiedlichster Nationalität aufeinander. Sie alle verbindet eines: erlebtes Leid in ihrer Heimat. Wir stellen einige von ihnen mit ihrer Geschichte vor. Heute: Ahmed Husseini aus Pakistan.

Wolfhagen. Ahmed Husseini hat trotz seines jungen Alters schon viele Länder gesehen. Auf die meisten hätte der gebürtige Afghane gerne verzichtet. Sie waren nur Zwischenstationen auf seiner Flucht, die ihn von Pakistan über den Iran, die Türkei und Griechenland nach Deutschland geführt hat.

13 oder 14 Jahre, das weiß er nicht mehr so genau, war der heute 18-jährige Ahmed alt, als er Pakistan, das Land, dass ihm seit seinem vierten Lebensmonat die Heimat gewesen war, verließ. Zu diesem Zeitpunkt lebten seine Eltern bereits im Iran, Ahmed wohnte bei seiner Schwester in Quetta, der Hauptstadt der pakistanischen Provinz Belutschistan. Dort ging er auch zur Schule. Doch als er die achte Klasse erreicht hatte, gab es für ihn keine Perspektive mehr. Er musste um sein Leben bangen.

Ahmed ist Muslim und gehört den Schiiten an, die als Minderheit in Pakistan im Konflikt mit den vorherrschenden Sunniten stehen. Während er vor etwa zehn Jahren mit seinem Schwager ein schiitisches Fest während des Muharram, dem ersten Monat des islamischen Kalenders, besuchte, kam es dort zu einem Anschlag. Ahmed sah viele tote Menschen, blieb aber selbst unverletzt. Mit ähnlichen Anschlägen musste er fortan immer rechnen. Auch weil es auf seiner Schule keine Streitereien zwischen Schülern unterschiedlicher Religionsgruppen gab, verstand er als Kind damals die Hintergründe der Bluttat noch nicht.

Das änderte sich mit zunehmendem Alter. Vor etwa vier Jahren entschieden Verwandte dann, den Jungen in Sicherheit zu bringen. Für umgerechnet 8000 Euro schleusten fremde Menschen Ahmed über mehrere Zwischenstationen nach Deutschland, wo er zunächst in Asylbewerberheimen in Dortmund und Bielefeld unterkam.

In Wolfhagen fühlt sich Ahmed wohl. Seit etwa drei Monaten nimmt er am Unterricht in der Herwig-Blankertz-Schule teil. Gerne möchte er dort einen kaufmännischen Beruf erlernen.

Über eine mögliche Rückkehr denkt der junge Mann nicht nach. „Zurück ist schwierig, als Schiit habe ich dort Angst“, sagt er. Sein Ziel ist es, Geld zu verdienen. Er will seine Mutter nach Deutschland holen. Die lebt mit einer seiner Schwestern in Athen. Seit anderthalb Jahren hat Ahmed sie nicht gesehen.

Von Lasse Deppé

Quelle: HNA

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