Schikane in der Kaserne

Marburg/Neustadt - Wegen entwürdigender Behandlung und Erschwerung des Dienstes in Tateinheit mit Anmaßung von Befugnissen war ein 28-jähriger Oberfeldwebel im August vergangenen Jahres vom Amtsgericht Kirchhain zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten und zwei Wochen auf Bewährung verurteilt worden.

In der Berufung wandelte die achte Strafkammer am Marburger Landgericht die Strafe am Freitag in eine Geldstrafe um. 6500 Euro muss der 28-Jährige zahlen.

Laut Anklage hatte er 2010 als Ausbilder und stellvertretender Zugführer bei der Bundeswehr in Neustadt eine nächtliche Reinigungsaktion von Ausrüstung und Keller veranlasst - ohne die dazu notwendige Disziplinargewalt.

Die als Schikane angesehene Reinigungsaktion habe sich bis in die frühen Morgenstunden hingezogen. Zudem habe am Morgen ein Orientierungslauf angestanden, bei dem drei Rekruten aufgrund mangelnder Nachtruhe zusammengebrochen seien. Auch soll der 28-Jährige vor dem kompletten Zug Anspielungen auf die angebliche Homosexualität eines Wehrpflichtigen gemacht haben. Der Mann sollte sich zuvor mit einem weiteren Wehrpflichtigen vor Dienstpflichten gedrückt und auf der Toilette versteckt haben, was auch zu Sticheleien von Seiten der Rekruten geführt habe.

„Es geht nicht mehr um die Schuld, sondern nur noch um die Strafe“, sagte der Anwalt des Angeklagten, der im Verlauf der Verhandlung für eine Teilrücknahme der Berufung und die Umwandlung der Strafe des vom Amtsgericht gefällten Urteils in eine Geldstrafe plädierte. Sein Mandant habe Fehler gemacht.

Äußerungen im Hinblick auf die angebliche Homosexualität des Rekruten schloss der Angeklagte nicht aus.

Es sei keiner der Rekruten zusammengebrochen, lediglich schlapp seien einige von ihnen gewesen. Der Angeklagte selbst, der Ende 2011 aus dem Bundeswehrdienst ausgeschieden war, beteuerte, die von ihm angeordnete Reinigungsaktion sei keine Schikane gewesen.

Er habe sie veranlasst, nachdem Ausrüstung und Keller mehrere Tage lang von den Rekruten vernachlässigt worden waren und weil Stiefel, Zeltplanen und andere Gegenstände zum Teil schlammverdreckt gewesen seien.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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