Suche nach Massengrab

Schlacht bei Riebelsdorf: Verbleib hunderter Leichen unklar

Museumsmitarbeiter untersuchen ein Massengrab aus der Schlacht bei Lützen, eine der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges. Foto: dpa

Riebelsdorf. Archäologen vermuten oberhalb von Riebelsdorf ein unentdecktes Massengrab mit hunderten Toten aus dem 30-jährigen Krieg. Vor 376 Jahren gab es ein blutiges Gefecht.

Bei Riebelsdorf lieferten sich am 15. November 1640 insgesamt mehr als 4000 Reiter des kaiserlichen Feldmarschall-Leutnants Johann Ludolf von Breda einerseits und des sächsisch-weimarischen Oberbefehlshabers Reinhold von Rosen andererseits eine blutige Auseinandersetzung. Historische Quellen aus jener Zeit berichten, dass 600 Offiziere und einfache Soldaten auf dem Schlachtfeld ihr Leben ließen.

Die beiden Sandsteinsäulen an der Bundesstraße zwischen Ziegenhain und Riebelsdorf halten zwar bis heute die Erinnerung an den Bürgerwehr-Kommandanten Velten Muhly wach, der in diesem Gefecht den Feldmarschall-Leutnant von Breda erschossen haben soll. Der tote Breda wurde nach Ziegenhain gebracht. Der Verbleib von Hunderten Soldatenleichen ist im Laufe der Jahrhunderte allerdings in Vergessenheit geraten.

„Von einem Massengrab für die toten Soldaten ist auszugehen.“

Die Archäologen sind ratlos: „Von einem Massengrab für die toten Soldaten ist auszugehen“, erklärt Dr. Andreas Thiedmann vom Landesamt für Denkmalpflege. Über den Ort der Massen-Bestattung haben die Denkmalschützer aber keine Informationen. Möglicherweise war das Massengrab in den ersten Jahren nach dem Gefecht für alle sichtbar markiert - zum Beispiel mit einem Holzkreuz. „Die namenlosen Opfer fast aller Kriege finden grundsätzlich wenig Beachtung“, so Thiedmann. Falls es allerdings jemals eine Markierung gegeben haben sollte, ist sie im Laufe der Jahrhunderte verschwunden.

Nähe zum Schlachtfeld 

Schlachtaufstellung: Der Feldmarschall-Leutnant Johann Ludolf von Bredow (Breda) versuchte im November 1640 – von Alsfeld undNeukirchen kommend – die Rosenschen Stellungen zwischen Riebelsdorf und Obergrenzebach anzugreifen, hatte aber wenig Erfolg.Dafür vernichtete er auf grausame Weise die Dörfer Ransbach, Loshausen, Zella, Leimbach und Salmshausen. Repro: Archiv

Auch der Riebelsdorfer Heimatforscher Georg Blumenauer geht davon aus, dass die Toten des Gefechts irgendwo oberhalb von Riebelsdorf liegen - ganz in der Nähe des Schlachtfeldes. Schließlich sei es wahrscheinlich, dass die zahlreichen leblosen Körper direkt vor Ort vergraben worden sind. Blumenauer vermutet, dass sie in eine natürliche Mulde oder in einen Graben gelegt und anschließend zugeschüttet wurden.

Alte Flurbezeichnungen wie „Kriegswiesen“ scheinen bisher die letzten Spuren dieser Schlacht am Riebelsdorfer Berg zu sein. Gefunden wurde bislang nichts. Allerdings wurde bisher auch noch nie systematisch mit modernem Gerät nach einem solchen Grab geforscht.

Dass sich eine solche Suche in Riebelsdorf lohnen könnte, zeigt der Ort Lützen bei Leipzig. Dort wurde erst vor fünf Jahren ein bisher unbekanntes Massengrab mit 47 toten Soldaten aus dem 30-jährigen Krieg gefunden. Die Knochen lagen in bis zu einem Meter Tiefe. Dabei stellen die Archäologen fest, dass die Verscharrten ohne Kleidung und Waffen bestattet wurden. Offensichtlich hatten Plünderer die Toten noch auf dem Schlachtfeld beraubt.

Wertvolles Material 

Ähnlich könnte es auch den Toten der Riebelsdorfer Schlacht ergangen sein. Das Metall der Rüstungen war für die armen Bauern der umliegenden Orte ein wertvolles Material. Es ist zudem überliefert, dass die Schwälmer Bauern aus den Säbeln der toten Soldaten die Klingen herausbrachen und in dem Drahtkorb des Handschutzes ihr Essbesteck aus Holz aufbewahrten. Eine Verbindung zwischen Riebelsdorf und Lützen gibt es in jedem Fall: Oberbefehlshaber Reinhold von Rosen war in beiden Gefechten dabei.

750-Jahrfeier 

Die Schützengilde Landau wird zur 750-Jahrfeier in Riebelsdorf am Sonntag, 5. Juni, um 12, 14 und 16 Uhr zeigen, wie die Gefechte aussahen. Um die Geschichte erlebbar zu machen, werden die Akteure in Kostüme nach historischen Vorbildern schlüpfen.

Von Stefan Prinz

Quelle: HNA

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