Geldstrafe: 26-Jähriger musste sich wegen schwerer Körperverletzung verantworten

Schläge auf dem Fußballplatz

Schwalmstadt. Licht in die Geschehnisse, die sich während eines Fußballspiels der Kreisliga B am 19. April vergangenen Jahres in Oberaula zugetragen hatten, versuchte das Amtsgericht Schwalmstadt zu bringen. Angeklagt war ein 26-jähriger Spieler aus dem Altkreis Ziegenhain wegen einer schweren, mit einem gefährlichen Werkzeug begangenen Körperverletzung.

Die Staatsanwaltschaft warf dem jungen Mann vor, im Anschluss an die Tätlichkeit eines gegnerischen Spielers seinerseits diesen Spieler angegriffen, mit einem Faustschlag zu Boden gestreckt und anschließend den am Boden liegenden mit seinen Fußballschuhen, die hier das gefährliche Werkzeug darstellten, mindestens einmal gegen den Kopf getreten zu haben.

„Es stimmt, ich habe eingegriffen und ihm mit der Hand eine verpasst. Getreten habe ich ihn auf keinen Fall“, stritt der Angeklagte den Fußtritt ab. Bei diesem Vorfall hatte der gegnerische Spieler, der auch als Zeuge geladen war, nach eigenen Angaben so schwere Verletzungen erlitten, dass er sich mit dem Verdacht einer Gehirnerschütterung zur ärztlichen Behandlung ins begeben musste.

Dort war er am Spieltag zunächst aufgenommen worden und war am gleichen Tag auf eigenen Wunsch wieder entlassen worden. Am Folgetag hatte er sich erneut im Krankenhaus vorgestellt, weil es ihm angeblich schlecht ging und er sich nach eigenen Angaben erbrochen hatte. Für drei Tage war er zur Beobachtung stationär dort geblieben und anschließend noch einmal 14 Tage krank geschrieben.

Zwölf Zeugen hatte das Gericht geladen um den Sachverhalt aufzuklären. Recht übereinstimmend bestätigten die Zeugen aus den Reihen der Mannschaftskameraden des Angeklagten dessen Version. Alle hatten mehr oder weniger genau zwar den Schlag mit der Hand gesehen aber den Fußtritt schlossen alle kategorisch aus.

„Bei dem Schlag ließ sich der andere Spieler theaterreif und übertrieben geschauspielert fallen und schrie.“

Ein Zeuge

„Bei dem Schlag ließ sich der andere Spieler theaterreif und übertrieben geschauspielert fallen und schrie. Einen Tritt kann ich definitiv und ganz klar ausschließen. Ich stand direkt dabei“, berichtete ein Spieler aus Oberaula. „Nach dem Spiel ging der andere relativ vital und gesund mit seiner Tasche zum Auto. Von einer Verletzung war ihm nichts anzumerken“, sagte ein anderer Mannschaftskamerad.

Demgegenüber behaupteten die Zeugen aus der Mannschaft des Geschädigten einen Fußtritt gesehen zu haben. Allerdings verstrickten sie sich im Laufe der Vernehmung immer mehr in Widersprüche und wiesen darüber hinaus deutliche Erinnerungslücken auf. Aus diesem Grund ließ der Vertreter der Staatsanwalt in seinem Plädoyer auch den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung fallen und beschränkte sich auf eine einfache Körperverletzung, verursacht durch den Schlag mit der Hand. Dafür beantragte er eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro.

Für den Verteidiger stellte sich die Sachlage anders dar. Weil sein Mandant für eine gefährliche Körperverletzung, begangen mit einem Werkzeug, angeklagt war, die er – belegt durch die Zeugenaussagen nicht begangen hatte – beantragte er Freispruch.

Das Gericht sah allerdings mit dem Schlag den Vorwurf einer einfachen Körperverletzung für erwiesen und verurteilte den 26-jährigen zu einer Geldstrafe von 300 Euro.

Zusätzlich muss der Spieler die Kosten des Verfahrens tragen.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

Kommentare