Schläge in der Kirmesnacht: 20-Jähriger steht vor Gericht

Fritzlar. Ein 20-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis muss sich vor dem Jugendschöffengericht in Fritzlar wegen des Verdachts der Körperverletzung in vier Fällen verantworten.

Weil die Aussagen des Beschuldigten für die Beurteilung und Strafzumessung zu ungenau sind und noch viele Geschädigte gehört werden müssen, wurde die Hauptverhandlung ausgesetzt. Zum Prozessauftakt ergab sich folgendes Bild:

„Wieso schlägst Du auf Freunde ein?“ Diese Frage wird dem Angeklagten im Jahr 2015 in einer Kirmesnacht in Grifte gestellt. Auch das Jugendschöffengericht möchte den Hintergrund der festgestellten Taten aufhellen. Seit zwei Monaten befindet sich der 20-Jährige in Untersuchungshaft, aus der er nun vorgeführt wird.

Die Rechtsanwältin hat sein Geständnis angekündigt. „Ich gestehe alles. An diesem Abend habe ich, auf Deutsch gesagt, Scheiße gebaut.“ Natürlich genügt so eine Aussage dem Gericht nicht. Was war im Einzelnen geschehen?

Es begann vor dem Haus eines Kumpels. Gemeinsam sollte es zur Kirmes gehen. Angeblich wurde ein Mädchen schief angesehen. Der Angeklagte schlug zu, bis das Opfer zu Boden ging. Mit „weißen Nikes“ trat er nach. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gefahren. Gemeinsam mit dem Schläger gingen die anderen nach Joint und Whiskey zur Kirmes.

Vor dem Festzelt gab es den nächsten schiefen Blick, das nächste falsche Wort. Der Täter rammte seinen Schädel gegen das Nasenbein eines Opfers und brach es. Dann gab es noch einen Schlag in den gebeugten Nacken. „Kopfnuss“ nennt das der Beschuldigte. Die Security kommt und spricht eine Ermahnung aus. Sie greift nicht ein, da das Geschehen außerhalb des Festzelts abläuft. Dann gehen die „Weiber“ weg. „Sie meinen Frauen“, berichtigt die Vorsitzende.

Insgesamt klagt die Staatsanwaltschaft vier Taten an, also Verletzungen durch Schläge. Es gibt eine Reihe einschlägiger Vorstrafen. Jugendarrest, ein Tag in Haft, Ratenzahlungen an Geschädigte, Verpflichtung zum Antiaggressionstraining - vieles wurde versucht, den eingeschlagenen Weg zu ändern. Im vergangenen März dann die jüngste Tat, für die erst demnächst Anklage erhoben wird.

Die Eltern hatten dem arbeitslosen Schulabbrecher eine Wohnung eingerichtet. Sie gaben ihm Taschengeld, da er Fristen beim Job-Center versäumt hatte und mittellos war.

Kein Kontakt mehr zu Eltern

Seit er in Haft ist, besteht kein Kontakt mehr. Die Richterin möchte wissen, wie er sich seine Zukunft nach der Haftentlassung vorstellt. „Och, ich mach’ da alles Mögliche. Hauptsache, ich verdiene sehr viel Geld.“

Quelle: HNA

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