Schlangen, Schnüre, Schnallen

Trachtenverkauf im Dorfgemeinschaftshaus

Raritäten aus der Schwalm: Neben Röcken waren vor allem die reich verzierten Kappenschnüre (oben links) gefragt. Kestin Jungermann kleidete Tochter Marie ein, Horst und Alexander Tschepa (rechts, von links) suchten Schwälmer Strümpfe. Fotos:  Rose

Willingshausen.  Röcke, Schürzen, Knöppdinger und Schnallen - um die 500 Trachtenteile bedeckten am Sonntag die Tische im Dorfgemeinschaftshaus in Loshausen. Dort kamen die Teil zum ersten Mal öffentlich unter den Hammer. Die Tanz- und Trachtengruppe Loshausen hatte einen Trachtenbasar organisiert.

Kaum hatten sich die Türen geöffnet, schon strömten die Besucher in den Anbau. Alle Kleidungsstücke stammten aus dem Vereinsfundus: „Wir haben vieles angekauft. Aber mittlerweile ist der Fundus doch recht voll geworden. Deshalb wollen wir jetzt einen Teil zugunsten der Vereinskasse verkaufen“, erklärte Regina Bätz-Eiffert. Nicht nur Vereinsmitglieder deckten sich mit der einen oder anderen Schwälmer Rarität ein, auch Sammlerinnen ging beim Anblick der aufwendigen Stickereien das Herz über. „Besonders gut gehen die Röcke mit Rot, die sind gefragt“, erklärte Doris Laudenbach.

Reich verzierter Saum

Die Loshäuserin kennt sich aus, wenn es um die Frage der standesgemäßen Röcke geht. „Mehrfach geschlangte Röcke sind wertvoller als einfach geschlangte“, erläuterte sie. Geschlangt - das bedeute, dass die Bordüre am Rocksaum unterschiedlich viele „Schlängerchen“ aufweise. Zuoberst werde immer der Rock getragen, der „am stolzesten“ ist. Kerstin Jungermann war zusammen mit Töchterchen Marie (8) auf der Suche nach einem Knöppding. „Marie schlüpft bei Auftritten öfter in die Rolle des Rotkäppchens“, erläuterte die Mama. Kornelia Ullrich, selbst Mitglied der Trachtengruppe und aktiv in der Spinnstube, suchte nach einer Trolljacke: „Ich finde die Kleidung einfach schön und sammle auch für mich.“

Aus dem Nachbardorf Zella waren Horst und Alexander Tschepa nach Loshausen gekommen. Die Männer suchten gezielt nach Schwälmer Strümpfen. „Wir brauchen die für die Kirmes“, erklärten Vater und Sohn. Schwierig war jedoch die Frage, welche denn nun passen würden. „Einfach anprobieren“, empfahl Bätz-Eiffert. In der improvisierten Anprobe verschwand auch Bärbel Spohr, die Ausschau nach einem weißen Leinen-Jäckchen hielt. „Ich habe so etwas zu Hause viele Jahre getragen. Jetzt hätte ich gern wieder eins“, erzählte sie. Celine Stämmler (13) schlüpfte indes in einen schwarzen Männerkittel. Die junge Dame nimmt bei Auftritten stets den männlichen Part ein.

Nach einer guten Stunde hatten sich die Tische sichtlich geleert. Die Mitglieder der Tanz- und Trachtengruppe waren mit dem Besuch zufrieden. „Wir lüften gern unsere Schatzkästchen, damit auch andere, die Freude an der Tracht haben, davon profitieren können“, sagte Regina Bätz-Eiffert.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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