Sebastian Bambey begleitet im Gefängnis im Stationsdienst den Alltag der Gefangenen

Schlüssel sind nicht alles

Überblick sorgt für Sicherheit: Justizvollzugsbeamter Sebastian Bambey bewacht das Ziegenhainer Gefängnis auch vom Wachturm am Lüdertor aus. Fotos: Grede

Ziegenhain. Sebastian Bambey arbeitet in einem Haus ohne Klinken. Türen lassen sich hier nur mit dem Schlüssel öffnen. Der 26-jährige bewacht in der Ziegenhainer Justizvollzugsanstalt die Gefangenen des A-Flügels – der Förderstation des Gefängnis.

„Von dieser Station aus gehen alle Häftlinge innerhalb der Gefängnismauern zur Arbeit oder zur Schule“, erklärt der junge Beamte. Grüne Zellentüren, jeweils mit drei Schlössern gesichert, säumen den Flur der Station. 15 Gefangene leben nach Angaben von Bambey hier. „Endstation“ – so beschreibt ein Zellenbewohner auf einem Aufkleber an der Tür seinen Wohnort, gleich daneben sein Namensschild, darunter bezeichnet ein Schild seinen Arbeitsplatz: „Schlosserei“.

Als Wärter oder Schließer möchten Bambey und seine Kollegen auf keinen Fall bezeichnet werden: Die Arbeit beinhalte viel mehr als auf- und zusperren, stellt der 26-Jährige klar – „und die Zellen schließe ich eigentlich nur zwei Mal täglich auf und zu “.

Sebastian Bambey beschreibt sich eher als eine Art Dienstleister für die Häftlinge, denn im Gefängnis muss jeder Schritt außerhalb der Zelle organisiert und begleitet werden: „Keiner der Gefangenen marschiert beispielsweise alleine über den Hof.“

Als Vollzugsbeamter sorgt Bambey dafür, dass die Gefangenen auf seiner Station pünktlich aufstehen, ihr Frühstück bekommen und rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz gebracht werden. Er führt Gefangene aus, kümmert sich, wenn Besuch wartet, bringt den Häftling zum Sport, zum Arzt oder zum Gericht.

Da wird der Mann in der blauen Uniform auch zum Ansprechpartner und Tröster. „Durch den nahen Kontakt erlangt man schnell eine Vertrauensstellung“, weiß Bambey. Dem gegenüber steht allerdings eine Gewissheit des jungen Vollzugsbeamten: „Das sind keine Braven.“

Die Gratwanderung aus Nähe und Distanz offenbare sich insbesondere bei den regelmäßigen Kontrollen der Zellen. Zum einen sei das ein Eindringen in die Privatsphäre der Häftlinge, die nicht willkommen ist, zum anderen „weiß ich, wenn ich nicht gründlich bin, könnte das das Leben eines Kollegen bedrohen“.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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