Prozess in Treysa

In Schokoriegeln: Häftling wollte Drogen in Ziegenhain einschmuggeln

Treysa. Wer schon immer einmal erfahren wollte, wie Drogen in gut gesicherte und kontrollierte Justizvollzugsanstalten kommen, bekam vor dem Amtsgericht in Treysa einen Einblick.

In dem Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf ging es um Drogenhandel mithilfe von Schokoriegeln.

Zurzeit verbüßt der Kfz-Mechaniker, der unter anderem Delikte wie Diebstahl und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz auf dem Kerbholz hat, eine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt in Schwalmstadt. Sowohl Angeklagter als auch ein Zeuge erschienen in Handschellen und in Begleitung von Justiz- und Polizeibeamten. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann sowohl am 12. als auch am 13. Januar 2013 bei einem Haftbesuch von einem Komplizen Drogen bekommen. In beiden Fällen waren die Betäubungsmittel in einem präparierten Schokoriegel versteckt gewesen. Die Drogen seien sowohl für den Eigengebrauch als auch für den Verkauf in der JVA gedacht gewesen, sagte die Staatsanwältin.

Dumm für den Angeklagten: Die Polizei hatte von der Übergabe Wind bekommen und den Drogenhändler des Häftlings überwacht. Als der Mann dem 35-Jährigen beim nächsten Mal wieder einen mit Drogen gefüllten Schokoriegel übergeben wollte, tauschten die Beamten den Drogenriegel unbemerkt in normale Schokolade um. Aufgrund der gut dokumentierten Polizeiarbeit blieb dem Gefängnis-Drogendealer gar keine andere Wahl, als die Taten zuzugeben.

„Die Gier war einfach größer als mein Verstand“, erklärte der Angeklagte dem Gericht seine Motivation. Darüber hinaus sei er selbst seit Jahrzehnten abhängig von Betäubungsmittel. Nach der gescheiterten Drogenübergabe habe er von Mitgefangenen auch noch eine aufs Auge bekommen und musste 400 Euro bezahlen: „Die haben gedacht, ich hätte sie betrogen.“

Dass Einfluss vor den Mauern der Strafanstalt nicht haltmacht, musste auch sein mittlerweile ebenfalls verurteilter und inhaftierter Komplize feststellen. „Leute haben mit mir telefoniert und mich bedroht. Die 81 kommen - die Hells Angels“, schilderte er die bedrohlichen Folgen der gescheiterten Drogenlieferung in das Ziegenhainer Gefängnis.

Wegen der eindeutigen Beweislage verzichtete die Verteidigung in ihrem Plädoyer auf einen eigenen Antrag und schloss sich der Staatsanwaltschaft an. „Die Tat ist eindeutig bewiesen. Drogen wurden bestellt, und der Angeklagte wollte liefern“, sagte die Staatsanwältin und forderte eine Haftstrafe ohne Bewährung: „Ich sehe hier keinen gewandelten Menschen vor mir.“

Am Ende lautete das Urteil sechs Monate wegen unerlaubtem und versuchtem Erwerbs von Betäubungsmitteln. Über Bewährung braucht man sich bei dem Angeklagten keine Gedanken zu machen. Eine günstige Sozialprognose sei nicht zu erkennen.

„Nur weil Leute wie Sie sich bereit erklären, gibt es solche Strukturen in der JVA“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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