Unfall hätte tödlich enden können

Gleis-Sturz in Zierenberg: Schüler schildern Ablauf

Ort des Geschehens: (von links) Max Schotte (14), William Heerwald (13) und Jan-Eric Bemmann (13) stehen am Bahngleis, von dem aus der zwölfjährige Ahnataler auf die Schienen stürzte und verletzt liegen blieb. Für das Foto haben sich die drei Jungs und einige Schüler ausnahmsweise direkt an das Bahngleis und vor die weiße Sicherheitslinie gestellt. Foto: Ulbrich

Zierenberg. Am Tag nach dem Unfall am Bahnhof Zierenberg, bei dem ein Zwölfjähriger auf die Gleise stürzte und dabei verletzt wurde, schildern Mitschüler wie es zu dem Vorfall kam, der leicht auch tödlich für den Jungen hätte enden können.

Jan-Eric Bemmann steht der Schock noch ins Gesicht geschrieben, als er am Bahnsteig steht, an dem der Unfall passierte. Nach Schulschluss gegen 14 Uhr wartete er mit zahlreichen Mitschülern auf die Regiotram Richtung Ahnatal. Als die kam, ging laut Jan-Eric ein Gedränge los, „das ist immer so, wenn die Bahn ankommt.“

Gerangel um Sitzplätze

Dabei gehe es in erster Linie darum, einen der wenigen Sitzplätze in der Bahn zu bekommen, die stets bei Ankunft in Zierenberg „schon sehr voll“ sei. Diese Schilderung bestätigen auch Max (14) und William (13), die genau wie Jan-Eric das Unfallopfer kennen. Infolge des Gerangels bekam Jan-Eric einen Stoß von hinten, woraufhin er den Jungen aus Ahnatal unglücklich auf die Gleise schubste.

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Die Schüler beschreiben die Situation als „Dominoeffekt“, der aufgrund der vielen Jugendlichen fast täglich am Bahnsteig in Zierenberg passiere. In der Schule sei der Vorfall am gestrigen Tag das Hauptthema gewesen. In der Pause seien alle Schüler in der Aula durch Rektorin Ute Walter eindringlich belehrt worden, sich an die Regeln zu halten. Seitens der Schulleitung werde nun überlegt, noch mehr Zug- und Busbegleiter einzusetzen, um derartigen Vorfällen vorzubeugen, sagt William, der mit dem verletzten Jungen in eine Klasse geht.

Auch wenn Jan-Eric ganz offensichtlich keine Schuld am unglücklichen Unfall trifft, macht er sich seine Gedanken. Das Bild des vor Schmerzen schreienden Jungen hab sich eingeprägt und sei ihm ständig vorm Einschlafen durch den Kopf gegangen. Seine größte Sorge sei im Moment des Vorfalls gewesen, dass „jeden Moment“ ein Zug komme und den Jungen überrolle.

Doch mit einigen anderen Schülern wurde der Zwölfjährige auf den Bahnsteig gehoben. Jan-Eric und einige andere warteten dann, bis schließlich Polizei und Rettungswagen eintrafen.

Dass der Vorfall Spuren bei den Jugendlichen hinterlassen hat, wird schnell deutlich. Denn nicht nur Jan-Eric, William und Max, sondern alle gestern am Bahnsteig anwesenden Schüler waren einer Meinung: „Der Unfall ist Hinweis darauf, dass wir alle disziplinierter und besonnener beim Ein- und Aussteigen am Bahnsteig sein müssen.“

Das sagt die Schulleitung

Den Vorfall hat die Schulleiterin Ute Walter zum Anlass genommen, „alle Schüler für die Gefahren an Bussen und Bahnen zu sensibilisieren“. Sie trommelte gestern alle Kinder und Jugendlichen der Elisabeth-Selbert-Schule in der großen Pause zusammen, um über den Vorfall zu informieren und auf die Gefahren hinzuweisen. Sie hoffe, dass nun „den Schülern bewusst ist, dass sie sich an die ihnen bekannten Regeln halten müssen. Dass sie vorsichtig sind und sich sowie andere nicht mit ihrem Verhalten gefährden“. (mic)

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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