"Mir war zum Heulen zumute"

Schock in Wolfhagen: Somalische Familie abgeschoben

Fassungslosigkeit über die Abschiebung: Sprachpate Heiko Weiershäuser mit Ahmad (hinten) und von links Rukiya, Swafea und Salma Hilali in der bisherigen Unterkunft der Familie in der Wolfhager Pommernanlage. Foto: Ulbrich

Wolfhagen. Fassungslosigkeit und Enttäuschung beim Unterstützerkreis der Wolfhager Asylbewerber: „Mir war am Morgen zum Heulen zumute“, sagt Sigrid Pudewell.

Auslöser ist die plötzliche Abschiebung der Familie Hilali, die als „leuchtendes Beispiel für die Integration“ gilt, sagt Klaus Pudewell, der wie seine Frau und Heiko Weiershäuser sowie etwa zehn weitere Freiwillige als Sprachpate für die Flüchtlinge fungiert.

Sigrid Pudewell ist besonders bestürzt über „die Art und Weise“ der Abschiebung der Familie aus Somalia mit zwei kleinen Mädchen im Alter von drei und sieben Jahren: „Hätten wir das gewusst, hätten wir die Familie zu uns nach Hause geholt“, sagt die 70-jährige Lehrerin zum Umstand, dass am gestrigen Morgen gegen sechs Uhr die Polizei in die Pommernanlage kam, um die Abschiebung durchzusetzen.

„Schock für die Kinder“ 

Besonders für die beiden Mädchen Salma und Swafea, sieben und drei Jahre alt, müsse das Erlebnis der Abschiebung durch die Polizei ein schwerer Schock sein, sagt Heiko Weiershäuser, der die Familie besonders gut kennt. Die Sprachpaten beschreiben die vier Somalis als Familie, die sich im Jahr ihres Aufenthaltes in vielen Bereichen integriert und in Wolfhagen Fuß gefasst habe.

Vater Ahmad spielte regelmäßig mit Bürgermeister Schaake in einer Freizeittruppe Fußball. Der Rathauschef hatte Dekan Dr. Gerlach erst kürzlich in einem Schreiben mitgeteilt, wie integrierungswillig und hilfsbereit der Somali sei und dass die Familie an vielen Veranstaltungen in Wolfhagen teilgenommen habe. Der 36-jährige Ahmad hätte sogar eine Lehrstelle bei einem örtlichen Handwerksunternhemen bekommen können, wenn der Asylantrag positiv beschieden würde.

Und genau über den Punkt Asylantrag im Zusammenhang mit der Abschiebung herrscht Unverständnis bei den Sprachpaten: „Der Antrag liegt noch beim Kasseler Verwaltungsgericht, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagt Klaus Pudewell. Zwar sei die Abschiebung aufgrund der geltenden Asylpolitik rechtens, menschlich aber nicht tragbar, sagt der 63-Jährige. Die Hoffnung ruhe nun darauf, dass das Gericht dem Antrag doch noch zustimmt, sagt Weiershäuser. Eine derartige Verfahrensweise würde natürlich für eine große Enttäuschung und Demotivation beim Unterstützerkreis sorgen, der in einem Gespräch am Dienstag von Vizelandrätin Susanne Selbert ausdrücklich für sein großes Engagement gelobt wurde, sagt Weiershäuser.

Von Resignation könne aber keine Rede sein, sagen die drei Sprachpaten unisono. Weiershäuser zeigt eine Nachricht auf seinem Handy an Mutter Rukiya Hilali, darin steht: „Wir werden weiter für euch kämpfen.“

Hintergrund

Im „Dublinverfahren“ wird der für die Prüfung eines Asylantrags zuständige Staat festgestellt. Damit wird sichergestellt, dass jeder Asylantrag nur von einem Mitgliedstaat inhaltlich geprüft wird.

Stellt ein Mitgliedsstaat fest, dass ein Asylantrag in einem anderen Mitgliedsstaat zu bearbeiten ist, stellt er ein Übernahmeersuchen/Wiederaufnahmeersuchen an den betreffenden Mitgliedsstaat.

Wenn der Bescheid rechtskräftig ist, vereinbaren die Mitgliedsstaaten die Modalitäten der Überstellung.

Quelle: HNA

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