RTL-Seriendarsteller Stefan Bockelmann parlierte über den Alltag in einer Seifenoper

Schön und etwas schizophren

Aus dem Fernsehen: Stefan Bockelmann berichtete aus dem Soap-Alltag. Foto: Rose

Röllshausen. Es klingt wie eine schizophrene Doppelexistenz: Kleinkrimineller, Alkoholiker, Kunstfälscher und Diamantenräuber. All diese Facetten kennt der aufmerksame Serienzuschauer von Malte Winter aus der täglichen RTL Soap „Unter Uns“. Hinter der Figur steckt Stefan Bockelmann. Der Schauspieler gastierte am Samstagabend im Dorfgemeinschaftshaus Röllshausen. „Alles bleibt unter uns – mein Leben mit der täglichen Seife“ lautet der Titel seines ersten eigenen Comedyprogrammes. Organisiert worden war der Abend von der Freien Musikinitiative Schrecksbach.

Stefan Bockelmann gewährte dabei unterhaltsame Einblicke in den täglichen Serienalltag. Für ihn sei das quasi eine Therapiesitzung vor Publikum. Wer in der Serie heiße wie ein Ikea-Kellerregal, dem bleibe auch gar nichts anderes übrig.

Im munteren Plauderton erzählte er nicht nur von kiffenden Autoren, schwulen Kostümbildnern und chaotischen Aufnahmenleitern, sondern auch vom Umgang mit den Zuschauern. „Als ich im Zug unterwegs war, wurde Malte Winter – der alte Spritti – über den Lautsprecher zu einem alkoholischen Drink ins Bordbistro gebeten“, erklärte Bockelmann. Auch habe man ihm an der Tanke schonmal einen Flachmann zugesteckt.

Hartes Leben am Set

Dabei sei das Leben am Set schon hart genug. Vor allem die Gehaltsverhandlungen: „Dann setzt der Producer eine Miene wie Mutter Theresa beim Trösten von Leprakranken auf, um einem weiß zu machen, dass man mit eine Soap keinen Cent verdiene.“

Wer ein Jahr bei RTL arbeite, dem werde das als Freiwilliges Soziales Jahr eingetragen. Ein bisschen wie russisch Roulette sei auch der Gang zu den Kostümen.

Felipe bevorzuge gern mal den Griff zum Herrenkorsett, um bei den Schauspielern das eine oder andere Röllchen zu kaschieren. „Wer von ihm eingekleidet wird, sieht aus wie auf dem Weg zum Christopher Street Day“, erzählte Bockelmann.

Überhaupt dürfe ein Darsteller einer täglichen Serie nicht älter werden: „Ich spiele seit zehn Jahren mit. Anfangs war ich 24, gerade feierte ich meinen 28. Geburtstag.“ Deshalb sei es unerlässlich, sein „Arbeitsgerät“ - sprich Körper – in Schuss zu halten. „Ich habe die Kohlsuppendiät neulich durchgehalten. Meine Kollegen nicht“, witzelte der Schauspieler. Kreativität verlangten indes wechselnde Schauspieler in ein und derselben Rolle.

Wechsel mit Dialekt

Flugs tausche man die blonde, blauäugige Mimin mit Berliner Schnauze gegen eine brünette, braunäugige aus, die eher Kölner Mundart spreche. „Dem Zuschauer wird das so erklärt, dass die Serienfigur einen Unfall mit Gesichts-OP und einen Schlaganfall hatte. Nur mithilfe eines Kölner Logopäden erlangte sie ihre Sprache wieder“, karikierte Bockelmann.

Faust mal anders

Als Jule, eine Dumpfbacke aus der Platte, und einem Horst-Schlämmer-Verschnitt mit Schnappatmung zeigte der Schauspieler mit einer Faust-Rezitationen eine Facette fernab des Soap-Alltags. Mit dem Song „Mein RTL“ blieb der Mime dann aber doch seinem Arbeitgeber treu.

Was er sich wünscht? Noch viele schöne, manchmal schizophren anmutenden Rollen in dieser oder einer anderen Seifenoper.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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