Die Malerin Heike von Othegraven lässt sich vom Stil der 20er Jahre inspirieren

Schöne Frauen in Acryl

Zwischen Unschuld und Femme Fatale: Die Künstlerin Heike von Othegraven mit einem ihrer Bilder im Scala-Varieté Foto: M. Koch

Fritzlar. Frauen mit großen, leuchtenden Augen blicken zurzeit von allen Wänden des Scala-Varietés in Fritzlar auf die Besucher herab. Es sind die Bilder der Künstlerin Heike von Othegraven, die vom Stil der 20er und 30er Jahre inspiriert sind.

Und das kommt nicht von ungefähr: „Bei uns lief die Musik vom Anfang des 20. Jahrhunderts rauf und runter“, erzählt die blonde Künstlerin und fügt mit einem Zwinkern hinzu: „Ich hatte alte Eltern.“

Deswegen konnte sie als junge Frau auch Charleston tanzen. Das hatten ihre Eltern ihr beigebracht, und sie tanzte den aus der Mode gekommenen Gesellschaftstanz aus den 20er-Jahren oft in der Disko: „Das war zwar ungewöhnlich, aber immer lustig!“

Prominente Verwandschaft

Doch auch der Rest ihrer Familie hat einiges zu bieten: Der Großvater war Kunstmaler und Tierforscher und der Onkel Musiker und Komponist. „Und ich bin mit Günther Jauch verwandt“, fügt sie hinzu und erklärt, dass dessen Großmutter Elsa von Othegraven war, eine Verwandte ihres Großvaters.

Bis sich Heike von Othegraven auf ihre Kunst konzentrieren konnte, sollten jedoch einige Jahre vergehen. Sie habe schon in jungen Jahren gemalt, aber ein Kunststudium wurde ihr nicht erlaubt: „Ich sollte etwas Anständiges machen, also habe ich Psychologie studiert und bin Körpertherapeutin geworden.“

Mit den Massagetechniken, die Körpertherapeuten zur Verbesserung der Haltung beim Menschen anwenden, könne man aber auch Tieren helfen: „So bin ich dann Pferdepsychologin geworden.“

In den 20 Jahren, die sie auf ihrem Pferdehof in Wolfhagen-Viesebeck diesen Beruf ausübte, habe sie immer wieder mal gemalt, „aber nie so viel wie jetzt. Dazu hatte ich ja gar keine Zeit“, sagt sie. Mittlerweile habe sie fünf bis sechs Ausstellungen im Jahr, stellte letztes Jahr sogar in einer kleinen Galerie in New York aus. Weitere Ausstellungen in der Metropole in Amerika seien nicht ausgeschlossen.

Fesselnd und faszinierend

Sie erzählt, dass die meisten Menschen ihren Bildern zunächst skeptisch gegenüber stehen. Doch sie fesseln die Leute, ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich, bis aus Ablehnung Faszination wird und der ein oder andere anfängt, sich mit den abgebildeten Frauen zu identifizieren. „Das liegt sicher an den großen Augen meiner Damen“, sagt von Othegraven, „Die haben so eine Leuchtkraft, da kann man gar nicht wegschauen.“ Wegen der Leuchtkraft verwendet die Malerin lieber Acryl- als Ölfarben, außerdem trockne das schneller. „Ich bin eben ein lebhafter Mensch“, sagt sie und lacht. Heike von Othegraven: „Frauen: Zwischen Unschuld und Femme Fatale“, zu sehen von September bis Dezember im Scala-Varieté, Spitalgasse 9, Fritzlar.

Von Miriam Koch

Quelle: HNA

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