Elfter Bilderschwatz: Altburschen präsentierten „Schwälmer Tanz unter der Linde“

Das Schöne in der Nähe

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Treffpunkt im Gasthaus Stamm: Mit dabei waren unter anderem Jörg Waldhelm, Tamara Lich, Lukas Schäfer, Lisa-Marie Schäfer, Johanna Dippel und Reinhold Corell (von links).

Willingshausen. Zum „Tanz unter der Linde“ – dem Titel eines gleichnamigen Bildes von Johann Jacob Hoff – hatten die Organisatoren zusammen mit der Altburschenschaft Willingshausen am Mittwoch ins Gasthaus Stamm eingeladen. Beim elften Bilderschwatz stand das Werk des Frankfurter Künstlers im Mittelpunkt.

Jörg Waldhelm erzählte, dass sich die Interessengemeinschaft der Altburschen 2010 gründete. 23 Willingshäuser unterstützen seitdem die jungen Burschen und Mädchen bei der Organisation der Kirmes. Auch 1864 – im Entstehungsjahr des Bildes – gab es in der Schwalm genau vier Mal im Jahr etwas zu feiern. Denn getanzt wurde zum Wurstball, dem Tanz in den Mai, dem Probtanz und zur Kirmes. Die Welt bewegte damals unter anderem der Krieg zwischen Deutschland und Dänemark. „In dieser Schlacht wurde das rote Kreuz auf weißem Grund als Schutzzeichen eingeführt“, erläuterte Ulli Becker-Dippel.

Johann Jacob Hoff kam erstmals 1861 in die Malerkolonie, auf Initiative seines Lehrers Jakob Becker, erklärte die Kunsthistorikerin Kati Werkmeister. Weitere Skizzen für den Tanz unter der Linde sammelte Hoff zwei Jahre später. Das Werk wurde später in Paris verkauft, ging dann nach Wien und ist heute im Privatbesitz. Verorten lasse sich das Bild schwer, sagte Werkmeister: „Das Gebäude am linken Bildrand ist wohl ein städtischer Bau, der so in der Schwalm nicht zu finden war.“ Hoff malte im Stil der romantischen Epoche, vermutlich vollendete er sein Werk im Atelier. Für eine ausgewogene Komposition sei es üblich gewesen, Dinge in das Bild hinein zu setzen.

Die Maler dieser Zeit hatten ein großes Interesse an der Antike. Sie reisten unter anderem nach Italien und malten heroische Landschaften. „In der Tracht fanden die Künstler im Nahen, was sie sonst im Fernen suchten“, sagte Werkmeister.

Die Tracht im Wandel erklärte Maria Dietz. Vier junge Willingshäuser waren extra angezogen worden. Die ältere Variante der Tracht bestach durch ein größeres Käppchen und einen längeren Rock. „Sie war noch nicht so ausgeschmückt.“ Zu Festen trug man gebundene Kappenschnüre und ein reich besticktes Mieder. Eine Seltenheit stellte die Pelzkappe aus rotem Samt dar. Zum Heiratsmarkt gingen die jungen Schwälmerinnen später in Grün. „Je schlanker, umso mehr Röcke wurden getragen. 11 bis 18. Man musste schließlich zeigen, was man hat“, erläuterte Dietz. Das konnte man auch an den reich bestickten Schürzen erkennen. „Vier Reihen Zacken waren etwas Besonderes.“ Sonntags ging man in Grün auch zur Kirmes, in Willingshausen – entgegen anderer Orte – auch zur Konfirmation oder zum Abendmahl.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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