Moderatorin Michaele Scherenberg erzählte Märchen in der Schlosskirche Ziegenhain

Schöne Reise zu sich selbst

Mit Klangschale und Trommeln: Michaele Scherenberg nahm die Zuhörer am Sonntagabend mit auf eine märchenhafte und mystische Reise. Foto: Rose

Ziegenhain. Märchen sind Reisen nach Innen – davon ist die Moderatorin und Filmemacherin Michaele Scherenberg überzeugt. Und das Wünschen wieder zu lernen, das ist vielleicht eine echte Aufgabe, die die Frankfurterin am Sonntagabend den Zuhörern in der Ziegenhainer Schlosskirche stellte. Dort erzählte sie zum Abschluss der Rotkäppchenwoche unbekanntere und bekannte, kuriose und nachdenkliche, heitere und unterhaltsame Märchen.

Dazu nutzte die Moderatorin die Stille der Kirche, die Ruhe, die sogleich Gäste und Gastgeberin schmeichelnd umgab. Das sanfte Vibrieren der Klangschale und der Trommeln erfüllte den Raum. Seit ihrem 30. Lebensjahr schöpft Michaele Scherenberg aus dem reichen Fundus der Märchen. Ihr Credo: „Märchen wollen vorgetragen werden.“ Nachdem es sich auch ihr Märchenhund Cindy gemütlich gemacht hatte, rezitierte die Moderatorin zunächst ein Gedicht aus Goethes „Dichtung und Wahrheit“.

Wahres fand der aufmerksame Zuhörer auch im Märchen von den Sorgen und Nöten. Darin fragte Scherenberg: „Rechnet sich eine Sorge über ihren Inhalt?“ Die Menschen eine Dorfes packten all ihre Sorgen in Päckchen und hängten sie in einen Baum. Dafür nahmen sie die Sorgen anderer Menschen mit und stellten fest: Eigentlich sind die eigenen Sorgen, gemessen an denen der anderen, häufig ganz klein. „Und so wollten die Menschen ihre eigenen Sorgen wieder zurück und machten es sich zur Aufgabe sie zu pflegen, zu polieren und zu beschauen. Es waren keine Sorgen mehr, sondern nur noch Sörglein.“

Schon früh entdeckte Michaele Scherenberg ihre Liebe zu Märchen. Das Märchenbuch von Oma Berta sei stets mit umgezogen und habe sie in ihrem Glauben bestärkt: „Es gibt nichts Heilsameres als Märchen.“ Dort sei alles in eine Verkleidung verpackt: „Und die Lösung schleicht sich oft in unsere Träume.“ Und so scheute sich die Frankfurterin nicht, die Verkleidung ein wenig zu lüften, erzählte vom Sonnenkönig, vom Tod und der Kaufmannsfrau aus dem Orient, die sich zwar auf die eine oder andere Affäre einließ, sich aber gewitzt und raffiniert aus selbiger zog. Dazu vertonte Dr. Reinhard Kobelt Werke wie das „Vater unser“ oder ein Gedicht von Matthias Claudius.

Michaele Scherenberg entließ die Zuhörer mit vielen guten Wünschen und einem Fingerzeig: „Jeder versteht aus den Märchen das, was er darin sieht.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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