Schöner wohnen für Eulen

Im Nistkasten: Über 100 Schleiereulen sind schon in Kleinenglis geschlüpft

Kleinenglis. Friedrich Dörings Untermieter sind finanziell fein raus: Sie wohnen absolut mietfrei - und leben dabei alles andere als schlecht.

Döring hat bereits vor 28 Jahren am Spitzgiebel seines Hauses Schleiereulen angesiedelt. Und die sind ihm unfassbar treu: Sie haben im Nistkasten, den er gebaut hat, über die Jahre hinweg eine große Nachwuchsschar in die Welt beziehungsweise in den Kasten gesetzt. Um die 100 Jungtiere, schätzt Friedrich Döring, sind dort seit 1988 geschlüpft.

An eine solch hohe Zahl aber hatte Döring gar nicht gedacht, als er vor 30 Jahren einen Nistkasten nach einer Anleitung vom Bund für Umwelt und Naturschutz baute, und ihn hoch oben im Giebel seines Hauses aufhing. Er hatte damals in Kleinenglis Schleiereulen fliegen gesehen und sich gefragt, wo sie denn wohl unterkommen.

Früher gab’s Eulenlöcher 

„Früher hatte jedes Haus ganz oben im Spitzgiebel ein Eulenloch“, sagt der 69-Jährige. „Da flogen die Eulen ein und aus und hatten ein Dach über dem Kopf. Als Gegenleistung sorgten sie dafür, dass es keine einzige Maus am Dachboden gab.“ Heute gibt es nur an den wenigsten Häusern noch Eulenlöcher - es ist schwer geworden für die Tiere, einen guten Platz für sich und ihren Nachwuchs zu finden.

Und genau das war der Grund, aus dem Döring 1986 zur Bauanleitung und zu den Werkzeugen griff. Doch vor die Brut hatten die Götter die Geduld gesetzt: Ganze zwei Jahre lang hing der Nistkasten unbeachtet von der Eulenwelt unter dem Dach, bis ihn das erste Schleiereulenpaar besiedelte. Und seitdem kommen die Vögel - oder vielleicht auch schon wieder deren Nachkommen - immer wieder. Zwischen zwei und vier Jungen ziehen sie dort in jedem Jahr auf.

Um die Brut satt zu bekommen müssen die Elterneulen jede Menge Mäuse heranschaffen. Ein jedes Jungtier frisst pro Tag mindestens eine Maus, hat Friedrich Döring bei etlichen Kontrollen festgestellt. Bei vier Jungtieren macht das über 120 Mäuse im Monat, die die alten Eulen herbeifliegen müssen. Wenn man sich diese Zahl vor Augen hält, weiß man genau, warum die Bauern früher Eulenlöcher in die Giebeln bauten.

Jungtiere suchen Revier 

In diesem Sommer haben die Döringschen Schleiereulen nur zwei Jungtiere aufgezogen. Die sind jetzt flügge geworden, sie suchen sich nun ein eigenes Revier. Für den Kleinengliser bedeutet das, dass Arbeit auf ihn zukommt. Er wird jetzt den Nistkasten abbauen und säubern, ihn mit einer Torfschicht befüllen, die Leiter hochkraxeln und den frisch sanierten Nistkasten für die nächsten Bewohner an den Hausgiebel hängen.

Einen Zettel „Kostenlos zu vermieten“ muss er nicht dran kleben: Seine Haustiere, wie die Schleiereulen nennt, kommen im nächsten Jahr wieder. Auch ohne Annonce am Nistkasten. Döring ist stolz darauf. Für ihn ist es gelebter Naturschutz. Für die Eulen ist ein sicheres Zuhause.

Quelle: HNA

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