Ilse und Eitel Konczak aus Fritzlar feiern morgen ihre Diamantene Hochzeit

Die schönsten Liebesbriefe

Ein Herz und eine Seele: Ilse (82) und Eitel (84) Konczak aus Fritzlar sind seit 60 Jahren verheiratet. Ihr Rezept für eine glückliche Ehe: nicht streiten und viel schmusen. Foto: Büchling

Fritzlar. Zum ersten Mal begegneten sie sich 1949 auf dem Schwarzmarkt in Hannover. Damals gefiel die junge Ilse dem heute 84-jährigen Eitel Konczak so gut, dass er sie in der Straßenbahn nach Hause begleitete. Heute feiert das Paar, das seit drei Jahren in Fritzlar lebt, Diamantene Hochzeit.

Beide gehören einer Generation an, die in den Kriegswirren Haus, Hof und Heimat verloren. Eitel Konczak stammt aus Juliustal in Mittelschlesien, seine Frau aus Lichtenstein in Sachsen – und sie kommen aus kinderreichen Familien, beide hatten noch fünf Geschwister.

Mit 16 wurde Eitel Konczak zum Arbeitsdienst eingezogen, nach dem Krieg landete er in Hannover, wo er 40 Jahre lang bei der Firma Continental arbeitete. Dort lernte er seine Frau kennen. Doch nach der Straßenbahnfahrt blieb den beiden wenig Zeit füreinander: Ilse musste am nächsten Tag nach Lichtenstein zurück.

Schneller Heiratsantrag

Wie hielt man den Kontakt ohne Internet? „Wir schrieben uns Briefe, sehr schöne Liebesbriefe“, sagt Ilse Konczak. Als ihr Freund ihr mitteilte, dass er in Magdeburg seinen Vater besuchen wolle, traf sie sich dort mit ihm – und bekam prompt einen Heiratsantrag.

Am 14. August 1951 heirateten die beiden, am 22. Oktober 1955 kam Tochter Gisela zur Welt und machte das Glück perfekt. Die Freizeit wurde geprägt durch die Zeit in einer Schrebergartenkolonie. Viele dieser Freundschaften haben bis zum heutigen Tag Bestand.

„Wir haben sehr viele Feste gefeiert, vor allen mit Erdbeerbowle; die Früchte kamen dabei immer aus unseren Gärten. Alles was wir geerntet hatten, wurde eingekocht, manchmal über 40 Gläser Marmelade“, erzählt Ilse Konczak.

Der Tanztee am Sonntag war für sie Pflicht, denn beide tanzen für ihr Leben gern. Und sie sind viel gereist: Fuerteventura, Gran Canaria, Kroatien, Österreich und Bayern.

Kritik an der Gesellschaft

Das Tagesgeschehen verfolgt das Paar sehr interessiert. Eitel Konczak, der bei einem Arbeitsunfall an einer Hand die Finger verloren hat, beklagt die soziale Kompetenz, die den meisten Betrieben heute fehle. Er erzählt voller Stolz, wie vorbildlich „seine“ Firma Continental sich nach dem Unfall bis zu seinem Ausscheiden, verhalten hat.

2008 zogen sie nach Fritzlar in die Nähe ihrer Tochter, die in Haddamar wohnt. „Mit meinen beiden neuen Hüften, gehe ich aber wieder wie eine Junge, und wir erledigen unsere Einkäufe noch zu Fuß“, sagt Ilse Konczak. Sie würden schon sämtliche Winkel in Fritzlar kennen und sehr gerne dort leben. Warum es die beiden Partner so lange miteinander ausgehalten haben, beantwortet Eitel Konczak: „Ich bin ein problemloser Esser. Wenn ich hätte kochen müssen, dann wären wir nicht mehr zusammen.“

Ilse fügt etwas verschämt hinzu: „Wir haben selten Ärger und schmusen beide gerne.“ (zpb)

Quelle: HNA

Kommentare