Orthopädie-Schuhtechnik

Selbst Gladiator Russell Crowe trägt Schuhe aus Homberg

In der Werkstatt: Mitarbeiter und Firmeninhaber packen mit an. Unser Bild zeigt (von links nach rechts) Sina Röse, Karsten Weber, Andreas Aul, Steve Nasse, Sabine Arndt, Markus Schott, Karl-Walter Scholl. Davor Karl-Heinz und Irmgard Schott. Fotos:  Yüce

Homberg. Sie wissen, wer in Homberg auf großem Fuß lebt und auch, wer auf leisen Sohlen geht.  Heute hat die Firma Schott Orthopädie-Schuhtechnik weit über die Region hinaus einen Namen. Auch Filmstars wie Russell Crowe setzen auf die Produkte.

Seit 2004 ist Markus Schott Geschäftsinhaber. Heute gehören dem Betrieb 18 Mitarbeiter an. Auch er setzt auf moderne Technik. Ein Laufstudio, elektronische Fußdruckmessen und Podologie gehören zum Angebot. Zudem ist die Versorgung von Diabetikern zu einem Schwerpunkt geworden. Und mit der Erfindung der MyVale Flipflops schaffte er es, dass sogar Stars wie der aus seiner Rolle in "Gladiator" bekannte Schauspieler Russel Crowe Schuhe aus Homberg tragen.

Schauspieler Russell Crowe: Einer der Kunden des Homberger Unternehmens.

Füße sind das Geschäft der Familie Schott – und das seit 125 Jahren.1888 gründeten Schuhmachermeister Johannes Schott und seine Frau Anna-Katharina das Unternehmen an ihrem Hochzeitstag – dem 22. Januar – in der Hospitalstraße in Homberg.

Dorthin war es ein weiter Weg: In den Anfangsjahren war die Wohnung von Johannes und Anna-Katharina Schott auch die Werkstatt. „Sie waren sehr fleißig und legten Wert auf Qualität, deshalb lief das Geschäft bald gut“, sagt Irmgard Schott, die der dritten Generation angehört. Es folgte der Umzug an das Obertor und die Eröffnung eines Orthopädiegeschäfts – eines von etwa 50 Schuhmachergeschäften in und um Homberg. 1907 wurde der erste Lehrling ausgebildet. „Wir bilden noch immer aus“, sagt Markus Schott. Mit ihm ging der Betrieb 2003 in die vierte Generation über.

1928 übernahm mit Adam und Katharina Schott zunächst die zweite Generation. Mittlerweile gehörten vier Mitarbeiter zum Team, das Geschäft wurde vergrößert. Während der Kriegsjahre arbeiteten zwei Gefangene aus Holland und Polen mit. „Bei uns gab es keine zwei Esstische. Sie haben uns nach dem Krieg oft mit ihren Familien besucht“, erinnert sich Karl-Heinz Schott.

Mit ihnen fing alles an: Johannes und Anna-Katharina Schott. Foto: privat/nh

Auch er ist Schuhmachermeister. Gemeinsam mit seiner Frau Irmgard übernahm er 1966 die Leitung. Und das obwohl Karl-Heinz Schott nach einem Verkehrsunfall immer noch mit den Folgen zu kämpfen hat. Beide arbeiteten zunächst noch ohne Angestellte in dem Wohn- und Geschäftshaus am Obertor. Später wurde Karl-Heinz Schott Orthopädiemeister. Seine Spezialität: Maßschuhe und auf die individuellen Bedürfnisse angepasste Einlagen. „Die wurden mit der Hand hergestellt“, sagt er. „Wir gehen mit der Zeit“, sagt Markus Schott.

Eigentlich sollte sein Bruder, Karl-Heinz Schott Junior, den Betrieb übernehmen. Doch wie so oft im Leben kam alles anders. Der Junior lernte zwar ebenfalls das Schuhmacherhandwerk, schloss eine Ausbildung als Orthopädie- und Schuhtechniker ab und hängte den Meistern dran.

Doch entschied er sich gegen den Einstieg in den elterlichen Betrieb. Stattdessen zog es ihn bereits 1987 beruflich nach Japan und nach Australien. Die Absage war zugleich fast das Aus für das Unternehmen. Das Geschäft wurde geschlossen, die Werkstatt blieb erhalten. „Stammkunden wurden noch bedient“, sagt Markus Schott.

Nach dem Nein des Bruders schlug seine Stunde. Der gelernte Fahrzeugbauer stattelte um, wurde Orthopädie-Schuhtechniker mit dem Ziel, in das Geschäft der Eltern einzusteigen. Das Unternehmen zog in die August-Vilmar-Straße.

Von Maja Yüce

Hintergrund: Junior Schott lebt in Australien

Karl-Heinz Schott Junior lebt noch heute in Australien und pflegt einen engen Kontakt zu seiner Familie in Homberg – nicht nur privat. Denn auch in Australien werden Produkte aus dem Hause Schott verkauft. „Er ist in Australien Marktführer und wird dort den ersten Lehrstuhl an der Universität in Sidney für Orthopädie erhalten, um zu unterrichten“, sagt Markus Schott und freut sich für seinen Bruder. „Er wollte schon immer Lehrer sein, und dieses Ziel hat er nun erreicht.“

Hintergrund: Die Sache mit der Schlappe

„Die haben nur Schlappen an“, hat sich Markus Schott gedacht, als er seinen Bruder in Australien besuchte. Daraus entstand die Idee zu den MyVale Flipflops. „Wir bauen aus Einlagen individuelle Sandalen“, erklärt Schott das Erfolgsgeheimnis. (may)

Quelle: HNA

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