Der Dorfname hat einen einfachen geografischen Ursprung

Schrecksbach ist schräg statt schrecklich

In der Ferne: Panoramablick auf Schrecksbach von Holzburg aus. Fotos: Haaß

Schrecksbach. Im südlichen Teil des Schwalm-Eder-Kreises, direkt an der Grenze zum Vogelsbergkreis, liegt im Schwalmtal das Dorf Schrecksbach. Der 1611-Einwohner-Ort ist Namensgeber der sechs Ortsteile umfassenden Großgemeinde Schrecksbach.

Macht man sich über die Bedeutung des Namens so seine Gedanken, fragt man sich unweigerlich: Sind die Schrecksbächer nun besonders schrecklich oder besonders schreckhaft?

„Weder noch“, sagt Bürgermeister Andreas Schultheis und muss bei dieser Frage schmunzeln. Der Name Schrecksbach habe eigentlich einen ganz banalen Hintergrund und bedeute nichts anderes, als „Schräg zum Bach“, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Damit würde die Lage des Ortes zum von Südosten kommenden und hier in die Schwalm mündenden Bodenbach bezeichnet und habe seinen Ursprung in der keltischen Sprache.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf in der Schwalm 1140 als Screkesbach und kann damit auf eine mindestens 875-jährige abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken.

Historisch: Ein altes Ortsschild

Es gibt zwar mit einer Urkunde Kaiser Karl des Großen aus dem Jahr 782 einen noch wesentlich älteren Nachweis, dort ist die Rede von „Screggesbaha am Sualmanahafluß“, aber hier muss man wohl von einer mittelalterlichen Fälschung ausgehen. Laut der 1989 vom Arbeitskreis Dorfchronik herausgegebenen Ortschronik „Schrecksbach - Ein Gang durch die Geschichte dieses Schwälmer Dorfes“ diente die vermeintliche Urkunde wohl im Zehntstreit mit Mainz und sollte dazu dienen, die Zehntberechtigung des Stiftes Hersfeld bis an die Schwalm unter Beweis zu stellen.

Interessantes zur historischen Entwicklung Schrecksbach findet man auch im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS):

Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert findet sich demnach in den Überlieferungen die Unterscheidung von Ober-Schrecksbach und Schrecksbach beziehungsweise Nieder-Schrecksbach. oder Maior-Schrecksbach, was auf das Bestehen zweier selbstständiger Siedlungen schließen lässt. Ende des 14. Jahrhundert verliert sich der unterscheidende Zusatz Nieder-Schrecksbach wieder, die Gemarkung Oberschrecksbach gibt es aber bis heute. Schon immer war Schrecksbach auch Grenzort. 1567 teilte Landgraf Philipp der Großmütige sein Land und damit auch Schrecksbach unter seinen Söhnen auf. Die Grenze zwischen Niederhessen und Oberhessen verlief damals mitten durch die Ortsgemarkung. In den Folgejahren wurde der Ort durch Verteidigungsanlagen und durch unterirdische Gänge miteinander verbundene burgartige Adelssitze befestigt.

Heute findet man in Schrecksbach nur noch wenige Reste dieser ursprünglichen militärischen Anlagen. Am besten erhalten ist das von den Herren von Langenstein erbaute sogenannte „alte Schloss“ oberhalb des Gemeindezentrums. Heute wird das romantische Gemäuer als Restaurant genutzt und erlangte erst vor Kurzem Berühmtheit durch seinen Auftritt bei den Kochprofis im Fernsehen.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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