Krankenfahrt von Schranke aufgehalten – Jetzt gibt es Streit

Ärger am See: Am Neuenhainer See kam ein Rettungswagen zunächst nicht vom Gelände. Unsere Fotomontage zeigt den See und einen Krankenwagen.

Neuenhain. So etwas hat der Rettungsassistent noch nicht erlebt. Bei einem Einsatz am Neuenhainer See stand der Krankenwagen des Roten Kreuzes vor einem verschlossenem Tor und einer Schranke.

Der Vorfall passierte am Sonntagnachmittag, als der Rettungswagen auf den Campingplatz Neuenhainer See gerufen wurde. Verdacht auf Herzinfarkt, hieß es. Anfangs, so berichtet DRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Lau, lief alles nach Plan. Der Wagen fuhr aufs Gelände, der Patient wurde eingeladen, und die Fahrt ins Krankenhaus begann. Doch der Wagen kam nur bis zum Tor.

Mit Martinshorn

Dort habe der Campingplatz-Mitarbeiter sich zunächst geweigert, zu öffnen, obwohl eine Helferin vorgefahren sei und den Rettungswagen angekündigt habe. Der Mitarbeiter habe gesagt, er müsse erst noch abkassieren.

Der Rettungswagen habe vor der Schranke schließlich das Martinshorn eingeschaltet, um die Sache dringlich zu machen, berichte Lau. Daraufhin habe es eine verbale Auseinandersetzung gegeben, bevor der Wagen schließlich durchgelassen worden sei.

Aus Sicht der Gemeinde Neuental - Arbeitgeber der Campingplatz-Mitarbeiter - stellt sich der Fall völlig anders da, wie Büroleiter Heiko Volz auf HNA-Anfrage sagte. Wegen des zeitgleich stattfindenden Triathlon sei die Schranke zum Campingplatz geöffnet gewesen, da viele Menschen unterwegs waren.

In dieser Zeit sei auch eine Dauercamperin auf das Gelände gefahren, ohne sich per Chipkarte zu registrieren, wie man das bei geschlossener Schranke tun müsste. Am Nachmittag habe diese Frau wieder wegfahren wollen. Da sie nicht im System registriert war, sei die Schranke zunächst unten geblieben.

In diesem Moment sei hinter ihr der Rettungswagen aufgetaucht. Wegen der Sache mit der Chipkarte hätten die Mitarbeiter am Campingplatz die Schranke per Knopfdruck öffnen müssen. Das sei auch umgehend geschehen, Volz spricht von ein bis zwei Minuten.

Schneller sei es aus technischen Gründen nicht gegangen, erklärte Volz. Lau sagt, es habe länger gedauert, mindestens drei bis vier Minuten.

Und dabei gelte: „Beim Herzinfarkt zählt jede Minute.“ In diesem Fall ging es glimpflich aus, laut Lau ist dem Mann vom Campingplatz nichts passiert.

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Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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